Home

Tagungen und Events in NRW (0)

Aha-Erlebnisse in der Heimat

von Oliver Graue, 17.01.2018, 09:04

Deutschlands einwohnerstärkstes Bundesland baut sein MICE-Geschäft aus. Wir haben Tourismuschefin Heike Döll-König gefragt, was NRW so besonders macht.

Welche Rolle spielt der MICE-Bereich für den Tourismus in Nordrhein-Westfalen?

Auf Landesebene bearbeiten wir dieses Segment seit 2011 im Rahmen der Landestourismusstrategie: Zusätzlich zu den Destinationen, den Convention Bureaus und den einzelnen Dienstleistern bündeln wir als NRW Tourismus das MICE-Segment seither in unserer Produktmarke „NRW Business“. Wir möchten uns die Erfolge nicht alle auf unsere Fahnen schreiben, denn da wirken sehr viele Personen, Firmen und Organisationen mit, aber Tatsache ist, dass in Nordrhein-Westfalen der MICE-Bereich inzwischen 21% des gesamten Tourismus ausmacht – so viel wie in keinem anderen Bundesland.

Aber liegt das nicht auch daran, dass viele internationale Kongresse wie zuletzt die Weltklimakonferenz in Bonn im Land stattfinden?

Natürlich ist Nordrhein-Westfalen Gastgeber vieler sehr großer Veranstaltungen. Solche Events sind wichtig für unser Image. Unser Fokus als NRW Tourismus liegt jedoch anderswo: Wir sprechen in erster Linie die in Deutschland beheimateten Entscheider an, agieren also im nationalen Markt. Und das ist auch ganz klar das Brot-und-Butter-Geschäft. Dabei haben wir den Vorteil, dass sehr viele unserer Kunden, nämlich leistungsstarke mittlere Unternehmen, direkt vor der Haustür sitzen – in NRW. Auch ihnen wollen wir zeigen, dass sie für ihre Tagungen, Events und Incentives keine weiten Reisen auf sich nehmen müssen, sondern dass wir als Bundesland die Ansprüche an besondere und qualitative Veranstaltungen erfüllen können.

Ein Beispiel?

Unser jüngster NRW-Tourismustag 2017 fand im Hugo-Junkers-Hangar in Mönchengladbach statt – ein toller Ort, der inspiriert. Zumal hier eine der wenigen noch flugfähigen „Tante-Ju“-Maschinen zu besichtigen ist. Bei den Teilnehmern verspürte man ein echtes Aha-Erlebnis, weil sie die Qualität der Location gar nicht auf dem Schirm hatten.

Was den privaten Tourismus betrifft, haben viele Deutsche ihr Land „entdeckt“. Ist das im MICE-Bereich denn nicht so?

Ich denke, dass noch zu wenige Unternehmen ihren Fokus auf den heimischen Markt legen, weil sie um die Vielfalt und Qualität der MICE-Möglichkeiten nicht wissen. Entdecken sie diese aber erst einmal, dann kommen sie wieder. In NRW geben bei unseren Feedback-Befragungen annähernd 100% der Veranstaltungsplaner an, sie würden erneut bei uns tagen, und mehr als 90% wollen uns weiterempfehlen. Die restlichen 10% wollen vermutlich nur den Geheimtipp für sich behalten (lacht).

Aber wofür genau steht denn Nordrhein-Westfalen im MICE-Segment?

Für vieles. Zum einen zeichnet das Land eine ungeheure Dynamik aus. Das gilt gerade im MICE-Bereich, wo in allen Landesteilen immer wieder neue, besondere Locations entstehen und wo leistungsstarke Messen wie in Essen und Düsseldorf erweitert und modernisiert werden. Zum anderen bieten wir eine exzellente Infrastruktur im Veranstaltungssegment, kurze Wege, gute Erreichbarkeit, auch im Bahnverkehr, und schließlich setzen wir gezielt auf den Aspekt der Nachhaltigkeit – in vielerlei Hinsicht.

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?

Wir sehen Nachhaltigkeit sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht. Ökologisch schon deshalb, weil weite Anreisen entfallen und wir besondere Ansprüche erfüllen können, ohne dass tonnenweise CO2 emittierende Flüge nötig sind. Und aus betriebswirtschaftlicher Sicht, ökonomisch also, fallen für den Betrieb niedrigere Kosten an.

Medienhafen in Düsseldorf
Foto: Oliver Franke/Tourismus NRW e.V.

Aber spielt Nachhaltigkeit auch auf Nachfrageseite wirklich eine Rolle?

Natürlich, viele Unternehmen haben das Thema ja längst in ihre Geschäftsberichte aufgenommen oder veröffentlichen sogar spezielle Nachhaltigkeits-Reports. Für Eventplaner ist es ein großes Plus, wenn sie nachweisen können, dass sie diese Kriterien bei der Destinationswahl ebenfalls berücksichtigen. Hinzu kommt das Thema Compliance, dessen Bedeutung enorm wächst und dem wir als Nahziel bestens genügen.

Nächste Seite: Beim Stichwort NRW denken viele nach wie vor an Schwerindustrie, an Kohle, aber nicht an die derzeit allseits beschworene Digitalisierung ...

Beim Stichwort NRW denken viele nach wie vor an Schwerindustrie, an Kohle, aber nicht an die derzeit allseits beschworene Digitalisierung ...

Was ein Fehler ist! Hochschulstandorte wie Münster oder Aachen sind längst auch Treiber für Kongresse und Tagungen, bei denen sich wissenschaftliche Exzellenz trifft, natürlich auch international. Und viele Weltmarktführer sitzen bei uns und laden natürlich auch ihre Kunden und Geschäftspartner ein und pflegen hier ihre Netzwerke. Oder denken Sie einfach an den humanoiden Roboter Pepper, der ja zu einer Art Verkörperung der künstlichen Intelligenz geworden ist: Für den deutschen Markt wird er in Wuppertal programmiert.

Inwiefern findet diese Digitalisierung denn auch Eingang in die MICE-Angebote in Nordrhein-Westfalen?

Tatsache ist, dass der Standard-Tagungsraum mit Beamer, Flipcharts und Getränken heute nicht mehr genügt. Allerdings bedeutet „digital“ inzwischen auch mehr, als eine Tagung lediglich um ein neues technisches Tool zu bereichern. Vielmehr ändert sich die Philosophie: Moderne Treffen etwa können an regional unterschiedlichen Orten gleichzeitig stattfinden, die Teilnehmer sind aber digital miteinander vernetzt. Oder ein Event wird zusätzlich in den virtuellen Raum verlegt. Insgesamt sind Veranstaltungen mittlerweile offener und interaktiver gestaltet, etwa mit Rückzugsecken für die Arbeit in Kleingruppen, und sie ergänzen Frontalvorträge durch neue Formate wie das World Café.

Wie bereiten Sie die Hotel- und Location-Anbieter in NRW – ihre Mitglieder also – darauf vor?

Als NRW Tourismus wenden wir uns nicht nur an die Nachfrageseite, sondern haben auch das Ziel, die Anbieter in unserem Land fit zu machen für die Tagung von morgen. Wir beraten sie, wir wirken auf sie ein. Wir beteiligen uns an der Future-Meeting-Space-Studie des German Convention Bureaus, damit wir Trends und Entwicklungen wirklich valide einschätzen und kommunizieren können. Mit einem EU-Projekt unterstützen wir außerdem die Betreiber, Kosten und Ressourceneinsatz durch nachhaltiges Wirtschaften zu minimieren, und sie erhalten von uns Ideen, Konzepte und Handlungsempfehlungen, um sich auf die neuen Tagungsformate der Zukunft einzustellen. Das Ganze ergänzen wir durch unsere Plattform „Dein NRW Business“, auf der Entscheider auch unseren Tagungsplaner finden.

Firmenkunden wollen sich immer weniger die Einzelteile ihrer Veranstaltung selbst zusammensuchen, sie möchten alles aus einer Hand. Wie weit ist NRW hier?

Zu unseren Aufgaben gehört es auch, einzelne Anbieter zusammenzuführen, damit diese gemeinsame Pakete schnüren können. Viele Hotels kooperieren schon heute etwa mit Museen und anderen Einrichtungen, um ein Angebot aus Tagung und Rahmenprogramm oder Empfang aus einer Hand anbieten zu können. Diesen Weg gehen wir weiter.

0 Leser-Kommentare

Google
  • Weitere Tipps zu Hotels & Tagungen
Zur Rubrik Hotels & Tagungen