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Wildeshauser Geest (0)

Tagen in einer steinreichen Gegend

von Oliver Graue, 19.01.2018, 09:11

Manche Namen kennt man als Autobahn-Abfahrt. Doch oft verbergen sich attraktive Städte oder tolle Landschaften dahinter: ein Aha-Erlebnis auch für MICE-Teilnehmer. BizTravel war in der Wildeshauser Geest.

Typisch niedersächsisch: Fachwerk in Dötlingen.
Foto: Franzfoto - CC BY-SA 3.0

Hohe Steine, Kellersteine, Kleinenkneter Steine: Als „steinreich“ bezeichnet sich die Region ums Städtchen Wildeshausen. Das ist wortwörtlich zu nehmen: Nirgends sonst in Deutschland sind so viele urgeschichtliche Grabanlagen zu sehen wie hier, etwa 40 Kilometer südwestlich von Bremen. Forscher sprechen von der „Quadratmeile der Vorgeschichte“. Hier haben unsere Vorfahren – Jahrtausende vor Christi Geburt – ihre Angehörigen bestattet. Zu den eindrucksvollsten Anlagen gehören die gut 5000 Jahre alten Kleinenkneter Steine: Da eines der Hünengräber rekonstruiert wurde, lässt sich ein Einblick in das ursprüngliche Aussehen des Grabes erlangen.

Nur ein paar Kilometer entfernt findet sich das Pestruper Gräberfeld von 900 v. Chr.: ein von Heidekraut bewachsenes (steinfreies) Gebiet aus 530 Hügeln. Unter den 6 bis 12 Meter großen Hügeln wurde jeweils nur eine einzige Person begraben – mit Beigaben wie Tontöpfen, Ketten, Armreifen und ganzen Wagen. Auf Schautafeln ist die Geschichte der Grabfelder bestens erklärt; und wer Glück hat, trifft auf eine Herde Heidschnucken, die hier weiden.

Zu Stein erstarrt

Viele weitere Großsteingräber finden sich in der Wildeshauser Geest – einem der größten Naturparks Deutschland. Oft werden sie als Braut oder Bräutigam bezeichnet, basierend auf der Sage, dass sich eine junge Frau vor ihrer Zwangshochzeit rettete, indem sie sich in einen Stein verwandelte. Dasselbe Schicksal allerdings widerfuhr ihrem Bräutigam.

Wer sich an Steinen sattgesehen hat, der fährt einige Kilometer weiter nach Goldenstedt, in eine der wertvollsten Moorlandschaften Deutschlands. Anlaufstelle ist das Naturschutzzenrum NIZ. Hier wird der Lebensraum Moor anschaulich erklärt, und Höhepunkt ist die Fahrt mit der Moorbahn tief ins Hochmoor mit seiner geheimnisvollen Atmosphäre (von März bis Oktober, 6 Euro pro Person, unbedingt voranmelden: niz-goldenstedt.de).

Eine Besichtigung wert ist auch Wildeshausen selbst: Das Rathaus mit seinem hochgotischen Treppengiebel und die Alexanderkirche prägen die Altstadt. Für Rahmenprogramme bestens geeignet sind Besuche des Dampfkornbranntweinbrennereimuseums, wo über viele Jahrhunderte 200 verschiedene Spirituosen produziert wurden. Das Druckereimuseum in den Räumen der „Wildeshauser Zeitung“ wiederum stellt eine original eingerichtete Tageszeitungsdruckerei und Setzerei von 1859 dar (Tel. 04222-6517 und Tel. 04431-6564).

Verpassen sollte man auch nicht das wenige Minuten nördlich gelegene Dötlingen. Bis zum Ersten Weltkrieg war es eine Künstlerkolonie und gilt nach wie vor als eines der schönsten Dörfer Deutschlands. Und wem es dann doch wieder nach Steinen ist: In der Nähe sind etliche Großsteingräber zu finden.

Hinkommen: direkt an der A1 hinter Bremen; mit der Bahn ab Delmenhorst.

Infos: Verkehrsverein, Tel. 04431-6564, Mail: info@verkehrsverein-wildeshausen.de

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