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Die Concorde kommt zurück

von Oliver Graue, 09.06.2017, 10:41

Die Concorde könnte bereits 2023 ihre Auferstehung feiern: als Business-Jet „Aerion AS-2“ oder als größere Maschine „Boom“.

Aerion AS-2: So heißt einer der geplanten neuen Überschalljets.
Foto: Aerion Corporation

Der Traum platzte am 25. Juli 2000. Kurz nach dem Start auf dem Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle stürzte Flug AF-4590 ab – mit schrecklichen Folgen. Alle 109 Menschen in der Concorde und vier Personen am Boden wurden getötet. Ein Reifen der Maschine war von einem Metallteil zerfetzt worden, das eine zuvor gestartete DC-10 der Continental Airlines verloren hatte. Teile des Reifens durchtrennten ein stromführendes Kabel, schlugen auf der linken Tragfläche auf und verursachten dadurch eine enorme Druckwelle im Tank. Auslaufendes Kerosin entzündete sich am zerstörten Kabel und setzte die Maschine in Brand.

Nach technischen Verbesserungen wurde der Flugbetrieb 2001 zwar wieder aufgenommen. Doch 2003 holten Air France und British Airways ihr Flaggschiff endgültig aus der Luft. Grund dafür dürfte nicht allein die Flugkatastrophe gewesen sein, sondern die nie dagewesene Wirtschaftlichkeit. Gut 1250 Liter Kerosin verbrauchte die Concorde pro 100 Kilometern. Auf dem Weg zwischen Paris und New York kamen 75.000 Liter zusammen.

Weniger Kerosinverbrauch

Dass der Überschallverkehr im Passagierbereich seither ein für alle Mal beendet ist, bestreiten aber nicht nur Luftfahrt-Enthusiasten, sondern auch Entwickler. Geht es nach ihnen, soll das, was 1969 mit der ersten Concorde begonnen hatte, bereits in den kommenden Jahren eine Fortsetzung finden. Nicht nur wohlhabende Urlauber, sondern auch Geschäftsreisende sollen dann wieder höchstens 3,5 Stunden für den Flug nach New York benötigen.

Große Flugzeugbauer und die Nasa tüfteln seit einiger Zeit an neuen Hochgeschwindigkeits-Jets. „Wir sehen klare und umsetzbare technische Lösungen für einen Überschalljet und einen realistischen Fahrplan“, sagt etwa Airbus-Manager Ken McKenzie. Gemeinsam mit dem US-Unternehmen Aerion entwickelt der Konzern die AS-2. Bereits 2019 soll sie zum Jungfernflug starten und 2023 in Dienst gestellt werden. Ein Gedankengespinst? „Nein“, sagt Josef Klevanski vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR): Er sieht Aerion „auf dem richtigen Weg“.

So arbeiten die Ingenieure daran, wie sich trotz der besonderen aerodynamischen Verhältnisse oberhalb der Schallgeschwindigkeit der Kerosinverbrauch in Grenzen halten lässt. Dazu sollen neuartige Mini-Flügel aus Kohlenstofffasern und ein etwas seltsam geformtes Heck beitragen – das Ziel ist es, eine gleichmäßige Strömung zu schaffen und kerosinfressende Luftwirbel zu reduzieren.

Auch soll die AS-2 mit kürzeren Start- und Landebahnen auskommen, so dass er anders als die Concorde nicht auf bestimmte Flughäfen angewiesen ist. Nachteil: Statt wie ihre Vorgängerin Platz für 90 bis 100 Passagiere zu bieten, passen in die AS-2 lediglich zwölf Personen. Gedacht ist sie denn auch als Business-Jet. Die Höchstgeschwindigkeit der AS-2 benennen die Entwickler mit knapp 1600 km/h – was immerhin 800 km/h langsamer ist als die alte Concorde.

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Der kanadische Betreiber Flexjet hat sich 20 Exemplare reservieren lassen, und Aerion selbst will bis 2043 mehr als 600 Maschinen verkauft haben. Gut 115 Mio. Euro soll der Jet kosten. Die Flugzeugkabine wird übrigens von der Lufthansa-Tochter Inairvation geliefert.

Aber auch ein Start-up aus Denver arbeitet an einer Neuauflage der Concorde: Diese soll 2020 abheben und statt für 12 sogar für 45 Passagiere Platz bieten. Geplant sind aber noch größere Maschinen. „Es wird sehr schnell die Diskussion beginnen, ob es nicht effizienter ist, auch mehr Passagiere zu befördern“, gibt sich Blake Scholl, Chef des Start-ups Boom. Als größte Hürde sieht er nicht die Technik, sondern die Gesetze, die Überschalljets wegen ihrer enormen Lautstärke derzeit nicht erlauben. Doch mithilfe moderner Triebwerke will er das unangenehme Knallen leiser machen.

Japanische Forscher entwickeln derzeit ein Verkehrsflugzeug, dessen Turbojet-Antrieb durch Wasserstoff gekühlt werden soll. Die Maschine soll sagenhafte 6200 km/h schnell sein. Und die britischen Initiative „Rettet die Concorde“ will sogar die 2003 ausrangierten Concordes wieder reaktivieren – zumindest für kulturelle Flüge.

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