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Harter Kampf um die eigenen Daten

von Oliver Graue, 12.06.2017, 08:11

Datensicherheit gehört zu den Themen, die Travel Manager derzeit am stärksten bewegen: Wie lassen sich sensible Firmendaten im Zeitalter der Cloud noch schützen?

Wer profitiert wirklich? Debatte um Direct Connect.
Foto: VDR/Julia Baumgart

Dass Fragen wie diese den Geschäftsreise-Verantwortlichen besonders unter den Nägeln brennen, wurde bei der Frühjahrstagung des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) in Berlin deutlich. Dabei wurde schnell klar, dass sich die deutschen Firmen in einem Dilemma befinden. Per Ende Mai 2018 gelten die strengen Vorschriften der EU-Datenschutz-Verordnung beugen. Diese schreibt unter anderem vor, dass die Unternehmen auch bei ihren Partnern sicherstellen müssen, dass diese für einen hinreichenden Datenschutz sorgen – dazu gehört auch, zu verhindern, dass wichtige Informationen auf Nicht-EU-Servern landen. „Aber wie sollen wir das machen?“, fragte eine Travel Managerin: „Wenn wir Airline-Verträge abschließen, fließen unsere Flugdaten automatisch zum US-Datenhändler Prism. Und selbst deutsche Partner wie Reisebüros oder Verkehrsmittelanbieter arbeiten inzwischen mit US-Konzernen zusammen.“

Die Gefahr: US-Firmen sind ihren Behörden zur Auskunft verpflichtet – und damit auch zur Preisgabe deutscher Unternehmensdaten. „Dass ein Präsident Trump im Sinne patriotischer Politik sie an US-Firmen weiterreicht, dürfte ja nicht unwahrscheinlich sein“, so eine Teilnehmerin. Dabei machte Barcamp-Leiter Jörg Martin (CTC) klar, dass es nicht um den „persönlichen Daten-Striptease bei Facebook & Co geht – der ist Sache jedes Einzelnen. Uns geht es um Firmeninterna.“

Ebenfalls heiß diskutiert war die Direct-Connect-Buchung. Das Problem: Als Lufthansa sie verkündete, stellte sie keine entsprechende Buchungsmöglichkeit dafür zur Verfügung. Doch nur über Direct Connect entfällt die Gebühr von 16 Euro, die der Airline-Konzern je Buchung über die Reservierungssysteme kassiert. Erstkunden waren Siemens und VW. Für sie wurden aufwändige technische Lösungen erstellt, welche die Direktbuchung bei der Airline möglich machen. Die Konstruktion sei jedoch „sehr aufwändig und teuer gewesen“, betonte Bernd Schulz, Chef von Ifao (Amadeus Cytric), in Berlin. „So etwas ist kein Standard, das machen wir nur auf ausdrückliche Kundenanforderung.“

BCD-Chef Stefan Vorndran sagte, es sei „eine technische Horrorvorstellung“, in jedem Land für jeden Kunden Direct Connects zu schaffen. „Der beste und effizienteste Vertriebsweg auch für Firmenkunden ist und bleibt das GDS.“ Einzige Profiteure von Direct Connect seien die Fluggesellschaften, die so leichter ihre Zusatzprodukte verkaufen könnten. LH-Manager Thomas Eggert kündigte indes an, das Konzept bei weiteren Konzernen einzuführen. Dritter Nutzer werde – wie berichtet – die Allianz sein. Siemens habe sich nicht wegen der 16-Euro-Ersparnis für Direct Connect entschieden, sagte Travel-Manager Albert James Küng: „Für uns steht die individuelle Produktgestaltung an erster Stelle. Wir erhalten das Angebot so, wie es für unsere Reisenden am besten passt. So haben wir beispielsweise verhandelt, dass sie auch ohne Statuskarte in die Flughafen-Lounges dürfen.“

Panorama-Kabine: Sieht so die Zukunft des Fliegens aus?
Foto: Airbus

Zukunftsstudie: Vom Denken zum Handeln

Seit genau zehn Jahren machen sich Branchenkenner in der VDR-Denkfabrik „Trends Port“ Gedanken über die Zukunft der Geschäftsreise. Damit die Ergebnisse „aber nicht in der Schublade landen“, so Trends-Port-Mitglied Ludger Bals, hat eine zwölfköpfige Gruppe nun die wichtigsten Thesen der bisherigen „Trends Ports“ aufgegriffen. Unter dem Begriff „Dynamic Travel Frame“ (flexibler Handlungsrahmen) soll mit ihrer Hilfe der „optimale Geschäftsreise-Prozess“ neu definiert werden. Herzstück ist dabei die Studie „Vom IQ zum WeQ: Zukunftsbild Geschäftliche Mobilität“, welche der VDR gemeinsam mit dem Dortmunder Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) jetzt gestartet hat. „Wir wollen herausbekommen, was berufliche Mobilität in Zukunft wirklich bedeutet und welche Akteure von den Veränderungen betroffen sind“, so Bals. Ziel sei es, Travel Managern „konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand zu geben“. Dabei konzentrieren sich VDR und Fraunhofer IML in ihrer Studie auf drei Trendfelder, die sie genauer ausleuchten wollen: Technik, Reise- und Mobilitätsformen sowie Einstellungen und Anforderungen.

Geht es bei der Technik um Fragen wie flexibles Buchen auch von unterwegs via App oder die Rolle des autonomen Fahrens, stehen bei den Mobilitätsformen beispielsweise das Sharing-Modell und das intermodulare Reisen im Mittelpunkt. Der Punkt Einstellungen und Anforderungen schließlich rankt sich um Themen wie die Akzeptanz moderner Techniken bei den Reisenden – aber auch um die Rolle des knappen Gutes „Zeit“ in der Zukunft oder die Frage, ob sich klassische Dienstwagen durch Mobilitätsbudgets oder Bahncards 100 ersetzen lassen. Um Antworten darauf zu erhalten, befragt der VDR derzeit seine Mitglieder. Die Angaben sollen jetzt verarbeitet und von September an ausgewertet werden. Erste Ergebnisse der Studie wollen der Verband und das Fraunhofer-Institut noch diesen Winter präsentieren.

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