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Goldgrube Online-Betrug

von Oliver Graue, 05.01.2018, 08:44

Kriminelle verdienen Milliarden mit dem Hacken von Zahlungsdaten. Die EU steuert nun gegen. Folgen könnte dies auch für Travel Manager haben.

Foto: GettyImages

Für Travel Manager und Kreditkartenanbieter ist es zumindest ein Hoffnungsschimmer: Die EU-Kommission hat zwar neue Regulierungsstandards für die Kreditkartenzahlung im Internet beschlossen. Reisestellenkarten sowie klassische Firmenkreditkarten hat sie davon jedoch ausgenommen. Unter welchen Bedingungen diese Ausnahme gilt, das muss allerdings noch geklärt werden.

Tatsache ist: Airplus, Mastercard, Visa & Co haben für diese Ausnahme mit aller Kraft gekämpft. Denn ohne sie würden die neuen Standards das Aus für die zentrale Bezahllösung im Travel Management bedeuten. Und das jetzt, wo dieses Modell immer mehr Zuspruch bei den Geschäftsreiseplanern findet.

Zweite Authentifizierung

Doch der Reihe nach. Mit der Richtlinie PSD 2 (Payment Services Directive) nimmt die EU den klassischen Banken Privilegien im Zahlungsverkehr weg. Stattdessen dürfen nun auch andere Firmen – sogenannte Fin-Techs – für Einkäufe und Buchungen via Internet die Bezahlung managen. Um Missbrauch zu verhindern, verschärft Brüssel jedoch gleichzeitig die Sicherheitsstandards für elektronische Zahlungen. Zu diesem Zweck wird eine zweite Authentifizierung eingeführt. Das heißt: Wer etwa per Kreditkarte online einen Flug bucht, erhält nach der Eingabe der Buchung einen Code oder ein Passwort auf sein persönliches Handy geschickt. Diesen muss er beim Bezahlen zusätzlich zum bisherigen Code eingeben.

Für Einzelpersonen ist das kein Problem – für Firmen wäre es schlicht unmöglich. Denn wird das Ticket vom Reisebüro, von der Reisestelle oder von Assistentinnen über den Firmenzugang gebucht, sind der Buchende und der Reisende nicht identisch. Folge: Der Code erreicht den Mitarbeiter (wenn überhaupt), nicht aber das Travel Management, das ihn jedoch bräuchte. Zudem geht PSD 2 davon aus, dass der Zeitpunkt der Buchung identisch mit dem der Zahlung ist. Gerade bei Flügen ist dies häufig aber nicht der Fall.

Horrender Kartenmissbrauch

Im B2B-Bereich spielt das Problem des Kartenmissbrauchs zudem kaum eine Rolle. Die Quote liegt bei gerade mal 0,002 Prozent. Im Endkundensegment sind es bis zu 0,3 Prozent. Hier nimmt der Online-Kartenbetrug inzwischen beängstigende Ausmaße an, wie Patrick Coulomb von Ypsilon.net beim Payment Day des Verbands Internet-Reisevertrieb (VIR) und des Travel Industry Club schildert.

Allein die Fluggesellschaften werden durch „hochprofessionelle Betrüger“ jährlich um mehr als 800 Mio. Euro geprellt. Das Vorgehen der organisierten Verbrecher: Die bei den Airlines geklauten Datensätze kombinieren sie mit Hilfe von Algorithmen mit Daten aus Facebook & Co. Am Ende verfügen sie über die komplette Identität der Fluggäste (die in aller Regel niemals davon erfahren). Diese Identitäten verkaufen sie zum Beispiel an Schlepperbanden, die sie wiederum für extrem hohe Beträge an illegale Migranten für deren Einreise nach Deutschland weitergeben. Derzeit kommen nach Angaben der Bundesregierung auf diese Weise allein über Griechenland Tausende Illegale zu uns.

Gehandelt werden die Daten im sogenannten Darknet von auf Betrug spezialisierten Firmen, die oftmals in Osteuropa, im Baltikum oder in den Balkanstaaten sitzen. „Diese Unternehmen spielen mit ihrem Wissen in der Champions League“, sagt Coulomb. „Als Reisebranche sind wir mit unseren Abwehrmaßnahmen nicht einmal Kreisliga.“

Betroffen von PSD 2 sind in jedem Fall die Reisebüros: Sie müssen sich der neuen Zertifizierung PCI DSS stellen und hierfür ein Audit mit 329 Fragen bestehen. Einen Großteil davon beantworten zwar die Zentralen – etwa 80 Fragen bleiben jedoch für die Einzelbüros. Wer nicht mitmacht, darf künftig nicht mehr über Kreditkarte buchen.

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