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Deutsche Airports wachsen trotz Air-Berlin-Pleite kräftig

06.02.2018, 10:22

Die Passagierzahlen deutscher Verkehrsflughäfen entwickeln sich erstaunlich robust. Selbst der Marktausstieg von Air Berlin und Niki führte lediglich im Dezember zu einem kleinen Minus – dem ersten nach 36 Monaten mit Zuwächsen.

Air-Berlin-Lückenfüller: Mittlerweile bietet Easyjet mit 15 teilweise angemieteten Jets bereits 19 Routen ab Berlin-Tegel an.
Foto: Günter Wicker

Im Kalenderjahr 2017 fertigten die internationalen deutschen Airports nach Daten der ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) insgesamt knapp 234,8 Mio. Fluggäste ab. Das bedeutet gegenüber 2016 im Saldo einen Zuwachs von 5,2 Prozent. Zum Vergleich: Ein Jahr vorher lag die Zunahme lediglich bei 3,4 Prozent. Dabei hätte des Verkehrswachstum an deutschen Flughäfen noch spürbar höher liegen können. Im Dezember 2017 gab es erstmals seit 36 Monaten ein leichtes Verkehrsminus von 1,0 Prozent – unmittelbare Folge der Marktaustritte von Air Berlin und Niki. „Neue Angebote und der Einsatz größeren Fluggerätes konnten diese Marktaustritte nicht mehr kompensieren“, heißt es von den Verkehrsanalysten der ADV.

Der BDL (Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft) weist zudem darauf hin, dass das Wachstum an inländischen Flughäfen eine wesentlich geringere Dynamik als in anderen Ländern erreicht. Weltweit erhöhte sich das Aufkommen an Fluggästen 2017 immerhin um 6,5 Prozent, in Europa insgesamt sogar um 8,8 Prozent. Laut BDL weisen deutsche Fluggesellschaften zudem „ein deutlich unterproportionales Wachstum von 3,1 Prozent“ auf. Sie beförderten 2017 etwa 163 Mio. Passagiere. Wäre es nicht zum Marktaustritt der Air Berlin gekommen, so hätte das Wachstum deutscher Carrier bei etwa fünf Prozent gelegen, rechnet der BDL vor.

Der Marktaustritt der Air Berlin machte sich insbesondere im innerdeutschen Flugverkehr bemerkbar. Die 22 internationalen Verkehrsflughäfen Deutschlands bezogen aus diesem Marktsegment gut 20 Prozent ihres Verkehrsaufkommens. Es legte 2017 nur um 0,2 Prozent auf 47,4 Mio. Fluggäste zu – im Kalendermonat Dezember allerdings brach es um 10,7 Prozent auf nur noch 3,2 Mio. Fluggäste ein. Insgesamt verringerte sich im Dezember das innerdeutsche Angebot sogar um 1,2 Mio. Sitze beziehungsweise 21 Prozent, was nahezu komplett aus dem Marktaustritt der Air Berlin resultierte. Doch es ist nur eine Frage von Monaten, bis der Markt diese Angebotslücke wieder bereinigt. Nach Berechnungen des BDL dürfte dies spätestens im März 2018 der Fall sein. Gegenüber dem Tiefstand im innerdeutschen Flugverkehr im Dezember legen vor allem Easyjet (plus 490.000 Sitze), Lufthansa (plus 344.000 Sitze), Eurowings (plus 333.000 Sitze) und Ryanair (plus 22.000 Sitze) kräftig zu. 70 Prozent dieser zusätzlichen Kapazität entfallen dabei auf Billigflieger.

Für die spürbaren Zuwächse deutscher Flughäfen 2017 sorgten ebenso vor allem Billigflieger. Auf Europa-Flügen erhöhte sich das Aufkommen laut ADV insgesamt um 6,0 Prozent auf 145,9 Mio. Fluggäste. Auf dieses Verkehrssegment entfielen somit 62 Prozent an deutschen Flughäfen. Noch stärker entwickelte sich der interkontinentale Verkehr. 41,2 Mio. Fernfluggäste starteten beziehungsweise landeten an deutschen Airports. Dies bedeutet gegenüber 2016 einen Zuwachs von 8,4 Prozent. Auch für dieses Marktsegment, das an deutschen Flughäfen für knapp 18 Prozent des Verkehrs sorgt, erwartet der BDL kräftige Marktanteilsgewinne für Billigflieger: „Bislang ist der Anteil des Low-Cost-Segments auf der Langstrecke gering, aber: Allein seit 2015 haben Eurowings und Norwegian die Anzahl ihrer Flüge aus Europa in die USA um fast 2400 Flüge auf rund 4000 Flüge im Jahr erhöht“. Dies bedeutet einen Ausbau der Frequenzen in lediglich zwei Jahren um 156 Prozent.

Gewinner und Verlierer unter deutschen Airports

Und wie schnitten die einzelnen deutschen Flughäfen 2017 ab? Unter den 22 betrachteten Airports gab es fünf die sogar ein Passagierplus im zweistelligen Prozentbereich fürs Gesamtjahr erreichen konnten: Münster/Osnabrück (plus 23,1 Prozent), Erfurt (plus 20,4 Prozent), Nürnberg (plus 20,3 Prozent) und Berlin-Schönefeld (plus 10,5 Prozent). Am anderen Ende der Skala mussten allerdings auch fünf Flughäfen Verkehrsrückgänge verkraften: Saarbrücken (minus 7,0 Prozent), Hahn (minus 6,2 Prozent), Berlin-Tegel (minus 3,7 Prozent) sowie mit jeweils minus 1,3 Prozent die Flughäfen von Bremen und Friedrichshafen.

So schnitten die wichtigsten deutschen Verkehrsflughäfen im Kalenderjahr 2017 ab:

  • Frankfurt 64,4 Mio. Fluggäste (plus 6,1 Prozent)
  • München 44,6 Mio. Fluggäste (plus 5,6 Prozent)
  • Düsseldorf 24,6 Mio. Fluggäste (plus 4,7 Prozent)
  • Berlin-Tegel 20,5 Mio. Fluggäste (minus 3,7 Prozent)
  • Hamburg 17,6 Mio. Fluggäste (plus 8,6 Prozent)
  • Berlin-Schönefeld 12,9 Mio. Fluggäste (plus 10,5 Prozent)
  • Köln/Bonn 12,4 Mio. Fluggäste (plus 4,0 Prozent)
  • Stuttgart 10,9 Mio. Fluggäste (plus 3,2 Prozent)
  • Hannover 5,9 Mio. Fluggäste (plus 8,5 Prozent)
  • Nürnberg 4,2 Mio. Fluggäste (plus 20,3 Prozent)
  • Bremen 2,5 Mio. Fluggäste (minus 1,3 Prozent)
  • Hahn 2,4 Mio. Fluggäste (minus 6,2 Prozent)
  • Leipzig/Halle 2,3 Mio. Fluggäste (plus 7,9 Prozent)
  • Dortmund 2,0 Mio. Fluggäste (plus 4,3 Prozent)
  • Weeze 1,9 Mio. Fluggäste (plus 1,7 Prozent)
  • Dresden 1,7 Mio. Fluggäste (plus 2,7 Prozent)
  • Karlsruhe/Baden-Baden 1,2 Mio. Fluggäste (plus 12,2 Prozent)
  • Münster/Osnabrück 959.493 Fluggäste (plus 23,1 Prozent)
  • Paderborn/Lippstadt 732.612 Fluggäste (plus 5,0 Prozent)
  • Friedrichshafen 514.601 Fluggäste (minus 1,3 Prozent)
  • Saarbrücken 372.749 Fluggäste (minus 7,0 Prozent)
  • Erfurt 275.748 Fluggäste (plus 20,4 Prozent)

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