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Schweine im Weltall

von Oliver Graue, 07.11.2016, 07:00

Die USA gestatten sogenannte „Trost-Tiere“ an Bord der inneramerikanischen Flüge. Nun allerdings finden sich immer mehr flugbegeisterte Hunde, Katzen, Affen, Hängebauchschweine und Truthähne in den Maschinen ein.

„Die Ente“, twittert M., „hat die ganze Zeit durchs Fenster geschaut.“ Grundsätzlich ist das ja noch nichts Außergewöhnliches. Warum sollten Enten, denen es draußen zu kalt geworden ist, nicht in ihren Stall gehen und von dort hinausschauen? Wer auf das Foto über der Twitter-Nachricht blickt, erkennt jedoch sofort das Besondere: Die Ente sitzt – neben M. – im Flugzeug. Natürlich hat sie dort Fensterplatz gebucht.

Auf inneramerikanischen Flügen sind derart tierische Begegnungen keine Seltenheit mehr. Mal kommt ein freundlicher Kampfhund an Bord, mal ein übermütiger Schimpanse, mal ein Truthahn. Gesichtet wurden auch schon Hängebauchschweine und Hamster – nur Giraffen scheuen die doch meist sehr niedrige Deckenhöhe in den Maschinen. Man will sich ja den Hals nicht verrenken!

Seit 13 Jahren erlauben es die amerikanischen Behörden, nicht mehr nur Blindenhunde mit in die Kabine zu nehmen, sondern auch ESA’s: „Emotional Support Animals“. Wer psychisch nicht ganz auf der Höhe ist, Flugangst hat oder sonstwie momentan ein wenig desorientiert, der soll bei seinem Haustier Trost finden. Und zwar direkt an Bord.

Kratzekatze wird zum Trosttiger

Dabei zeigen sich immer mehr US-Amerikaner trostbedürftig – nicht etwa wegen eines möglichen Trump-Wahlsiegs, sondern wohl, hart gesagt, aus finanziellen Gründen. Während für das normalerweise im Frachtraum mitfliegende Haustier nämlich um die 110 Euro Gebühren zu bezahlen sind, fliegen ESA’s gratis. Warum also nicht die gewöhnlich freche, schadenfrohe, hinterlistige und arrogante Hauskatze nicht schnell mal zum Trost-Tiger erklären?

Vielen US-Passagieren jedenfalls wird das tierische Spektakel in der Luft zuviel. Schweine im Weltall mag es bei den Muppets geben – aber in der regulären Luftfahrt stören sie dann doch so manchen. Ergebnis: Das US-Verkehrsministerium will die ESA-Regel verschärfen. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn wie will man einem Passagier absprechen, er sei nicht psychisch labil und brauche seinen Truthahn während des Flugs daher nicht? Vor allem dann, wenn dieser eine Bescheinigung vorweisen kann? (die es überall problemlos für wenige Dollar gibt)

Vielleicht also muss man sich in den USA doch an Fluggäste wie Schweine, Seidenäffchen und Enten gewöhnen. Schlimm? Ach, ganz ehrlich: Manchmal wünsche ich mir geradezu, neben mir säße eine freundliche Ente statt des realen und lästigen Mit-Passagiers. Solange das Geflügel aus dem Fenster schaut und nicht pausenlos schnattert, wäre das für mich jedenfalls okay.

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