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Kommentar zu Air Berlin (0)

Lasst die Lufthansa ran!

von Oliver Graue, 15.08.2017, 22:05

Nur Deutschlands größte Airline kann einen sanften Übergang garantieren und so viel wie möglich retten. Kartellrechtlich wäre eine solche Lösung kein Problem.

„Wenn zwei Elefanten Hochzeit feiern“, so haben wir vor genau zwei Jahren einen Kommentar überschrieben, den wir an dieser Stelle veröffentlichten. „Jetzt mal rein hypothetisch“, so lautete gleich der erste Satz: „Was wäre eigentlich, wenn Lufthansa ihren innerdeutsch stärksten Wettbewerber, Air Berlin, schlucken würde?“

Völliger Unsinn, undenkbar, Quatsch, Träum weiter – das waren noch die nettesten Reaktionen, die wir 2015 erhielten.

Nein, ich will nicht klugscheißern. Dazu ist die Sache viel zu tragisch. Ganz besonders für die 7000 Beschäftigten der Airline, die – so empfinde ich es jedenfalls – einen sehr guten Job machen. Freundlich, natürlich, humorvoll, hilfsbereit: Ich flog und fliege gern mit Air Berlin. Das aber heißt nicht, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen. Die ist von einem immer härter werdenden Preiswettkampf geprägt: In der Luftfahrt regiert „billig“. Bei Air Berlin kommen zahlreiche Management-Fehler hinzu.

Jetzt zählt Zuverlässigkeit

Tatsache ist: Nun muss alles getan werden, um den Schaden so weit wie möglich zu begrenzen - an allererster Stelle für die Mitarbeiter, danach für die Kunden und am Ende für die Branche insgesamt. Dass Air Berlin als Fluggesellschaft überleben wird, ist angesichts der derzeitigen Lage kaum vorstellbar. Also muss umsichtig und geordnet abgewickelt werden, was aber nur heißen kann, das Unternehmen in den Schoß von Lufthansa zu geben. Strategisch wie wirtschaftlich dürfte das die mit Abstand sinnvollste Lösung sein. Auch kartellrechtlich ist sie übrigens nicht zu beanstanden – dazu gleich mehr.

Allein der Kranich ist finanziell momentan in der Lage, einen solchen Übergang zu garantieren, so viel wie möglich zu retten und Strecken zuverlässig weiterzuführen. Zugleich steht er selbst unter Druck: Insbesondere die Billigmarke Eurowings muss noch schneller wachsen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Da kann die Air-Berlin-Flotte helfen.

Da Lufthansa aber nicht die gesamte Airline übernehmen will, dürfte ein Teil an Easyjet gehen. Unter allen Billigfliegern ist das die vermutlich noch am wenigsten schlechte Lösung. Denn damit ließen sich die Start- und Landerechte von Air Berlin insbesondere in Berlin zuverlässig retten. Die schlechteste Lösung wäre es sicher, unsichere Kantonisten wie Ryanair ins Spiel zu bringen. Deren Methoden im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern und das alleinige Schielen auf Subventionen, Gebührenrabatte und weitere einseitige Bevorzugungen sind alles andere als vertrauenswürdig. Zudem dürfte der Billigwahn dann noch weitaus mehr Opfer in der Luftfahrt fordern.

Wo gibt es wirklich Monopole?

Natürlich wäre für Firmenkunden das Weiterbestehen von Air Berlin als Lufthansa-Konkurrenz besser gewesen. Doch wer angesichts der Übernahme nach dem Bundeskartellamt oder gar der EU-Kommission schreit, übertreibt schamlos. Denn wo sind Monopole wirklich zu befürchten? Bei Interkontverbindungen war die Rolle von Air Berlin bislang schon zu vernachlässigen, und im Europa-Verkehr fällt lediglich einer von sehr vielen Wettbewerbern weg. Die Zahl der Airlines auf dem Kontinent ist nach wie vor extrem hoch.

Und innerdeutsch? Da heißt der tatsächliche Konkurrent längst Deutsche Bahn. Mit der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen München und Berlin könnten auf einer weiteren Route Flüge quasi überflüssig werden. Dass Lufthansa ohne Air Berlin über freie Preisgestaltung verfügt, ist falsch. Die kann sich der Kranich ebensowenig erlauben wie die Monopolisten der Schiene und der Straße – DB und Flixbus.

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