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Bac war besser als Airbnb

von Oliver Graue, 06.09.2017, 16:49

Teilen ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Die moderne Sharing Economy via Internet-Giganten schadet jedoch der Marktwirtschaft und hebelt Wettbewerb aus.

„Mein Bac? Dein Bac? Ach Kinder – Bac ist für uns alle da!“ Wer nicht mehr so ganz jung ist, erinnert sich an den kultigen Werbespot aus den 80ern. Dabei ist die Botschaft des einstigen Deo-Herstellers heute aktueller denn je. Denn Sharing, also Teilen, liegt im Trend.

Wer sich cool fühlen will, der shart. Natürlich keine Schafe (obwohl deren Scheren vermutlich wunderbar entschleunigt) – sondern Autos und Wohnungen. Digital natürlich. Klingt gut. Hat aber Folgen, über die viele hinwegsehen: Sharing macht einige wenige immer reicher und mächtiger. Und ganz viele ärmer.

Uber – zum Glück verboten!

In Deutschland ist Uber verboten. Zum Glück. Dass dies manche bedauern und sich in Ländern wie den USA mit großer Lust in Uber-Fahrzeuge setzen, verstehe ich nicht. Für seine Gegner gilt der Konzern als einer der schlimmsten Ausbeuter überhaupt. Seine Fahrer leben nicht selten an der Armutsgrenze, wollen eigentlich nur überleben. Und sie arbeiten auf ihr eigenes Ende hin – denn auch Uber will das autonome Auto. Sozial? Unnütz, kann weg!

Gleichzeitig treibt Uber klassische Taxis in den Ruin. Dass diese in Sachen Service einiges dazulernen könnten – geschenkt. Diese Meinung teile (pardon: share) ich. Dass aber eine gewachsene Struktur zerstört werden muss, um einige Uber-Manager zu Milliardären zu machen, teile ich nicht.

Airbnb schadet der Marktwirtschaft

Ähnlich verhält es sich mit Airbnb. Wohnungsmangel, steigende Mieten, lasche Regeln bei Brandschutz, Sicherheit, Melderecht, Hygiene und Besteuerung – alles schlecht für uns. Und für Airbnb: Milliardengeschäfte. Der digitale Konzern ist mehr wert als große (und reale) Hotelketten – absurd.

Wichtigster Grund für das Vorpreschen dieser Konzerne ist, dass sie im Gegensatz zu klassischen Unternehmen so gut wie keine Steuern zahlen. „Wir werden von den Internet-Riesen verarscht“, formuliert es Friedrich Knapp, Inhaber des Modefilialisten New Yorker drastisch: „Die machen zwar Geschäfte in Deutschland, zahlen bei uns aber keine Steuern.“ Die Folge: Wettbewerbsverzerrungen und ein Aushebeln der Marktwirtschaft. So kann man auch den deutschen Mittelstand zerstören!

Nur der Portalbetreiber profitiert

Immerhin: Erste Politiker erkennen das Problem, allen voran Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire. Marcrons Mann bezeichnet das Verhalten von Airbnb & Co als „inakzeptabel“. „Airbnb hat das Recht, in Frankreich aktiv zu sein“, sagt Le Maire. „Aber wir haben auch das Recht, von Airbnb und allen Online-Plattformen einen gerechten Beitrag zu den öffentlichen Kassen zu verlangen.“ Es könne nicht sein, dass das Silicon Valley mit Hilfe der europäischen Regierungen die europäischen Wettbewerber platt mache.

Noch aber gilt: Vom „modernen“ Sharing profitiert nur einer – der Plattform-Betreiber. Er scheffelt Milliarden, während sich die Nutzer am Ende der Nahrungskette gegenseitig auffressen, wie es die Schriftstellerin Sybille Berg formuliert.

Ein anderer US-Konzern ist längst dabei, unseren Einzelhandel plattzumachen. Fußgängerzonen leeren sich, es gehen Jobs verloren, die verhältnismäßig gut bezahlt werden. Im Gegenzug stellt Amazon billige Lagerarbeiter ein und engagiert ebenso billige Paketausfahrer.

Nur Amazon-Chef Jeff Bezos verdient sich dabei eine goldene Nase und kauft von den Zinsen schnell mal eine Tageszeitung wie die „Washington Post“. Denn wenn schon mächtig, dann bitte umfassend. Sybille Berg spricht von „neuem Feudalismus“. Das war bei Bac und ist nach wie vor bei den Landmaschinen anders: Da geht‘s nicht nur ums Abkassieren.

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