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Bummeln ist viel besser!

von Oliver Graue, 11.12.2017, 14:48

Der brachiale Expansionsdrang von Amazon geht zunehmend an die Substanz: Immer mehr Läden schließen, und die Zentren deutscher Kleinstädte verfallen.

„Es ist doch so bequem“, sagt meine Kollegin M.: „Fast alles, was ich brauche, bestelle ich bei Amazon. Auf Läden kann ich verzichten.“ Außer auf Postannahmestellen natürlich – um die Ware bei Nichtgefallen zurückzusenden. Wirklich so bequem? Eine negative Seite hat der Versandboom in jedem Fall. Die fällt mir auf, wenn ich durch deutsche Klein- und Mittelstädte spaziere – gern schaue ich mich als Geschäftsreisender an den jeweiligen Zielorten auch etwas um. Und dabei fallen mir immer mehr Leerstände in den Zentren auf. „Da war mal ein echter Traditionsladen", erzählen mir die Gesprächspartner dann häufig. „Der hat nach 130 Jahren aufgegeben.“ An dessen Stelle sind Ein-Euro-Shops oder Billigbäcker eingezogen. Oder die Gebäude bleiben ganz leer.

In den USA, dem Heimatland von Amazon, gehen inzwischen auch in den Einkaufszentren die Lichter aus. Ausgerechnet die Malls, einst ein Symbol für Amerika, leeren sich, Filialen großer Ketten machen dicht. Bank-Analysten schätzen, dass 20 bis 30% der Malls aufgeben werden und prophezeien insgesamt 100.000 Ladenschließungen. Böse Aussichten für Deutschland, in das bislang noch jeder US-Trend hinübergeschwappt ist.

Bücher, Elektrogeräte und Reisen werden lange schon im Internet gekauft. Nun führt das Netz auch bei der Kleidung, und selbst bei Lebensmitteln dreht Amazon auf. Und klar ist: Das Geld der Verbraucher nimmt den leichtesten Weg. Über die Folgen wird nicht nachgedacht. Allerdings wäre es Aufgabe der Politik, sich mit zwei Fragen zu beschäftigen.

Erstens: Was passiert mit den sich leerenden Fußgängerzonen? Was tritt an die Stelle aufgegebener Geschäfte? Barrierefreier Wohnraum, Mehrgenerationenhäuser – Ideen gäbe es.

Zweitens: Wie gehen wir mit digitalen Megakonzernen um, die sich nicht an die Regeln der Marktwirtschaft halten und den Wettbewerb ausschalten? „Amazon und Alibaba verarschen uns“, sagt Friedrich Knapp, Inhaber des Mode-filialisten New Yorker. „Die machen zwar Geschäfte in Deutschland, zahlen bei uns aber keine Steuern, weil sie von Luxemburg und China aus agieren.“ Primark oder Ryanair handeln übrigens ähnlich – vom Steuerparadies Irland aus. Für Knapp steht fest: Das ist Wettbewerbsverzerrung und verstößt gegen alle Regeln der Marktwirtschaft. Dem Staat fehlen Steuereinnahmen, der deutsche Mittelstand leidet. Und Amazon jubelt angesichts der Untätigkeit (oder Unfähigkeit?) europäischer Politik, das Internet genau so gesetzlich zu regeln, wie es bei Läden ganz selbstverständlich ist.

Als Mann mit „Eiswasser in den Adern“ beschreibt ein einstiger Amazon-Top-Manager den Konzernchef Jeff Bezos. Den Händlern hat er den Krieg erklärt. Ich weiß: Ich brauche weder Lebensmittel aus dem Internet noch habe ich Lust, ständig Pakete ein- und auszupacken. Ich bummel gern durch echte Geschäfte.

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