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Gehen Sie noch selbst?

von Oliver Graue, 20.12.2017, 17:56

Oder lassen Sie schon einkaufen? Immer mehr Internet-Portale und Supermärkte liefern Lebensmittel nach Hause. Aber bringen es solche Bringdienste überhaupt?

Die Deutschen bewegen sich zu wenig, warnen Medizinexperten. Wer im Büro arbeitet, sitzt im Durchschnitt elf Stunden pro Tag, hat die Kölner Sporthochschule herausgefunden: bei der Arbeit, im Auto und abends auf dem Sofa. Nur noch 45% der Bundesbürger erreichen die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen 150 Minuten Bewegung in der Woche. Dauerhaftes Sitzen aber macht krank – Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselleiden drohen.

Einziges Problem bei der Sache: Wer sich heute noch selbst bewegt, indem er zum Beispiel einkaufen geht, ist nicht mehr cool. Längst handeln viele Mitbürger so wie meine Kollegin M., die sich fast alles im Internet bestellt (um sich dann darüber zu beklagen, dass unsere Innenstädte zunehmend veröden). Nicht nur Kleidung und Bücher kommen im Paket, auch die Pizza wird gebracht – von einem abgehetzten und schlecht bezahlten jungen Mann, der in zweiter Reihe parkt und einen stolzen Preis für einen manchmal schon recht erkalteten Teigklumpen („Pizza“) kassiert.

Ehrlich gesagt: Auch ich greife ab und zu mal auf den Essenslieferdienst zurück. Allerdings sehr selten. Eines werde ich aber ganz sicher nie tun: mir meine Lebensmittel ins Haus bringen lassen. Nein, dieses Stadium zwischen Bequemlichkeit und völliger Bequemlichkeit habe selbst ich noch nicht erreicht – obwohl für mich, der sich grundsätzlich gern in der Natur aufhält, kein Spaziergang länger als zwei Stunden dauern darf. Man muss es schließlich auch nicht übertreiben mit Frischluft und Bewegung.

Das Obskure an der Lebensmittellieferung ist ja: Sie wird vor allem dort genutzt, wo ein Supermarkt neben dem anderen steht – in den Großstädten nämlich. Wenn derartige Services auf dem flachen Land Erfolg hätten, wo immer mehr Läden schließen und wo viele ältere Menschen leben, dann würde das noch Sinn ergeben. Meine Schwiegereltern etwa sind bis in die 90er-Jahre regelmäßig mit einem Verkaufswagen durch ihr Heimatstädtchen getourt. Amazon hat‘s erfunden? Von wegen! Aufgeben mussten sie erst, als an gefühlt jeder zweiten Straßenecke ein Discounter aufgemacht hat.

Einkaufslieferdienste? Nein, ich muss mit eigenen Augen sehen, was ich kaufe. Manchmal macht es mir auch Spaß, in den Ladenregalen zu stöbern, nach spannenden neuen Produkten und Sonderangeboten zu schauen. Dass es Tage gibt, an denen man mal zu faul dazu ist, kann ich noch verstehen. Bedenklich finde ich aber, wenn Menschen ihr Ich-lass-mir-alles-bringen-Verhalten mit Effizienz begründen: In der Zeit, die sie früher mit Einkaufen „verschwendet“ hätten, könnten sie nun ins Fitness-Studio gehen – um sich zu bewegen. Doch würden sie Letzteres nicht auf eine viel simplere Art und Weise tun, wenn sie einfach weiterhin einkaufen gehen würden? Vielleicht aber bin ich auch nur zu alt, um manches zu verstehen.

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