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Rentieren sich Einkaufsallianzen?

von Oliver Graue, 14.03.2017, 15:14

Mietwagen - Ein echter Mega-Deal: Siemens, Bayer, Bosch, Henkel und Evonik haben gemeinsam den Mietwagenpartner ausgeschrieben. Das senkt die Kosten, soll vor allem aber die internen Prozesse standardisieren und harmonisieren.

Bleistifte, Computer, Energie: Für zahlreiche Waren sind Einkaufsgemeinschaften seit Jahrzehnten gang und gäbe. Aber auch im Reisesegment kommen Unternehmen zunehmend auf den Geschmack, Leistungen gemeinsam zu beschaffen. Ganz besonders gilt dies für Mietwagen: Im Vergleich zu Hotels oder Flügen ist das Produkt einfach, überschaubar, und es lässt sich am ehesten ein gemeinsamer Nenner finden. Entsprechende Ausschreibungen als Allianz haben in den vergangenen Jahren Bündnisse um die süddeutschen Unternehmen Zeiss und Infineon sowie um den schwäbischen Lackieranlagenspezialisten Dürr und den Anlagenbauer Andritz vorgenommen.

Als bislang größte Einkaufsgemeinschaft sind nun die Konzerne Siemens, Bosch, Bayer, Henkel und Evonik auch bei Geschäftsreisen tätig geworden: Gemeinsam haben sie nach neuen Mietwagenpartnern gesucht – und das für 26 Länder. Das Volumen dieser Ausschreibung, die mit einer elektronischen Auktion verbunden war, verraten die Partner zwar nicht, doch es dürfte beträchtlich sein. Allein Siemens gilt als das Unternehmen mit dem höchsten Reiseetat in Deutschland, und bis Ende 2016 wollten die Münchner ihre Reisekosten um 100 Mio. Euro kürzen.

Abschied von alten Strukturen

Dazu dürfte auch die Mietwagen-Ausschreibung beigetragen haben. Dennoch dürfte es den Konzernen mit dem gemeinsamen Vorgehen nicht ausschließlich um die direkten Kosten gegangen sein. „Ab bestimmten Volumen sind weitere Rabatte minimal, zumindest prozentual“, räumt ein Travel Manager ein. Dennoch dürften Siemens, Bayer & Co von den Siegern der Ausschreibung einen extrem niedrigen Tagesmietpreis erhalten, der in seiner Höhe alles andere als Alltag ist.

Steuern und vertrauen

Ziel des Konsortiums war es neben dem direkten Spareffekt vor allem, dass die beteiligten Firmen ihre Abläufe – also Buchung, Abrechnung und Bezahlung der Autos – prüfen, standardisieren und harmonisieren. Im Verbund lassen sich ineffiziente Strukturen oft einfacher ändern als bei einem separaten Vorgehen im Haus, wie es unter der Hand heißt. Viele Beobachter sehen in internen Verbesserungen sogar ein inzwischen größeres Sparpotenzial, als es sich bei direkten Preisverhandlungen mit den Anbietern erreichen lässt.

Auf Anbieterseite profitieren zwar nur die ein oder zwei Gewinner einer solchen Großausschreibung, diesen jedoch könnte das Einkäuferbündnis durchaus Vorteile bringen: Durch die einheitlichen Prozesse bei den Allianzpartnern verbessern die Mietwagenfirmen ebenfalls ihre Effizienz. Ob sie durch den Deal am Ende wirklich auf einen steigenden Gewinn kommen oder lediglich ihren Umsatz erhöht haben, muss sich zeigen. Zudem müssen natürlich noch die deutschen Kartellbehörden das Vergabeverfahren der Großkonzern-Allianz prüfen.

Als positiv dürfte es sich für die Anbieter erweisen, dass Allianzen ihre Volumenversprechen meist besser einhalten können als Einzelfirmen. Während hier schon mal Projekte platzen oder das Reisevolumen in Krisen radikal gekürzt wird, gleicht sich das in Bündnissen aus, besonders dann, wenn die Partner aus verschiedenen Branchen kommen. Sowohl für die Kunden als auch für den Anbieter ergibt sich damit eine bessere Planbarkeit. Firmen, die selbst Interesse an der Bildung einer Einkaufsgemeinschaft haben, sollten sich daher nicht zu sehr auf den Preis fokussieren. Zumal es am Ende niemandem nützt, wenn auf dem sowieso schon überschaubaren Mietwagenmarkt Anbieter verschwänden. Voraussetzung ist ferner, dass die beteiligten Travel Manager ihre Volumen tatsächlich auf die neuen Partner steuern können und dass sie ihren Kollegen vertrauen.

Denn bei den Verhandlungen können nicht alle Partner am Tisch sitzen: Meist übernehmen zwei Beteiligte diese Aufgabe. Und: „Im Vorfeld erfordert es Zeit, Geduld und viele Treffen, um sich über die Ziele zu einigen“, sagt ein Travel Manager: „Doch es lohnt sich.“ Denn auch wenn es nicht allein um den Preis geht, soll am Ende jeder Partner bessere Konditionen haben als vor der Ausschreibung.

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