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Viele Farben weniger

23.11.2016, 09:00

So schnell verlief selten eine Konzentration. Gab es vor zwei Jahren noch einen stark zersplitterten Busmarkt, dominiert heute ein einziger Anbieter.

Gelb: die Post ist weg.
Foto: Kay Herschelmann/Deutsche Post

Vom 1. November 2016 an wird es auf Deutschlands Straßen weniger farbenfroh zugehen: Nachdem Anfang August bekannt wurde, dass der Fernbus-Anbieter Flixbus die Linien des Konkurrenten Postbus übernehmen wird, gab Mitte Oktober auch die Bahn-Tochter Berlin Linien Bus (BLB) bekannt, den Betrieb Ende 2016 einzustellen. Der letzte Betriebstag wurde nun wegen zu hoher Verluste sogar vorgezogen: Zum 1.11. verschwinden nicht nur die gelben Busse von Postbus von der Straße, sondern auch die blau-pinken von BLB. Insgesamt hatte das DB-Fernbus-Geschäft weniger als 30 Mill. Euro Umsatz gebracht – und dabei 15 Mill. Euro Verlust eingefahren (siehe auch News Seite 34)!

Mehr als 80% Marktanteil

BLB wurde 1947 gegründet. Das Hauptgeschäft des bis dato einzigen Fernbus-Anbieters bestand während der deutsch-deutschen Teilung darin, das geteilte Berlin mit zunächst 12 Zielen im Westen zu verbinden. Seit der Liberalisierung des Fernbus-Marktes im Jahr 2013 baute der Fernbus-Anbieter sein Netz stark aus und verknüpfte zuletzt knapp 300 Ziele in ganz Europa miteinander. Gänzlich zieht sich die DB allerdings nicht zurück: Einige wenige Routen wie Berlin-Usedom, Hamburg-Bremen-Amsterdam oder Berlin-Hamburg-Kopenhagen übernimmt der IC-Bus.

Im Oktober 2013 starteten die Post und der ADAC ein gemeinschaftliches Projekt namens ADAC Postbus. Nachdem der Konkurrenzkampf stärker war als anfänglich gedacht, stieg der ADAC im November 2014 aus, woraufhin der Fernbus-Anbieter in Postbus umbenannt wurde. Mit einer Mediathek und zusätzlichen Services wie der Reservierung des Wunschsitzplatzes wollte sich dieser von der Konkurrenz absetzen. Doch die Umsätze ließen zu wünschen übrig: Postbus verkaufte sein Geschäft an Flixbus. Nur einige Airport-Strecken bleiben noch bis 14.12. (München/national) und 11.2.2017 (München/international) bei den gelben Bussen.

Ausgewählte Strecken des Postbus-Netzes werden in das bestehende Netz von Flixbus integriert. Noch steht aber nicht fest, welche Routen dies betrifft. Rostock-Greifswald etwa, bis 31.10. über Postbus buchbar, wurde von Flixbus vorerst nicht übernommen.

Bereits 2015 hatte der Anbieter den bis dato größten Konkurrenten Mein Fernbus und später auch den britischen Megabus übernommen. Marktanteil von Flixbus: 80%! Und nach dem Wegfall von BLB wächst er weiter. Zu signifikanten Preiserhöhungen kommt es nach Einschätzung des Portals Fernbusse.de dennoch nicht. Dazu ist die Konkurrenz durch Bahn, Auto und Billigflieger zu groß.

Und: Ganz allein ist Flixbus nach wie vor nicht. So ist der Offenbacher Fernbus-Pionier DeinBus.de im Südwesten der Republik aktiv; und der österreichische Anbieter Hellö bietet neben grenzüberschreitenden auch innerdeutsche Fahrten an. Auf europäischer Ebene gibt es zudem Eurolines als potenten Mitstreiter mit langer Erfahrung, eine Kooperation aus 30 europäischen Busunternehmen. Alles in allem ist der deutsche Markt trotz fortschreitender Konzentration daher noch nicht beim endgültigen Stillstand angekommen.

Noch kaum Fans im Business Travel

Im Geschäftsreisemarkt haben Fernbusse derzeit fast keine Relevanz. Aktuellen Umfragen zufolge nutzen nur 2 bis 4 Prozent der Business Traveller den Bus. Dabei dürfte es sich um dezentrale Ziele handeln, die der Bus direkt miteinander verbindet, die durch andere Verkehrsmittel hingegen nur durch Umsteigen zu erreichen wären. Ob der Bus künftig mehr Anhänger im Firmensegment findet, dürfte auch von der Strategie des Marktführers und seiner Wettbewerber abhängen.

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