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Dossier Stahlbranche (Teil 1) (0)

Industrie im Umbruch

von Oliver Graue, 24.11.2016, 15:36

Chinesische Billig-Importe machen heimischen Stahlherstellern zu schaffen. Doch nach einigen dramatischen Jahren zeigen EU-Anti-Dumping-Initiativen nun erste positive Konsequenzen.

1000 Grad und heißer: Flüssiger Stahl am Haken.
Foto: Thinkstock

Billigkonkurrenz aus China, Überkapazitäten, sinkende Nachfrage aus der Ölindustrie: Für die deutschen und europäischen Stahlerzeuger sieht die Lage seit einigen Jahren mau aus. Auch für das 1. Halbjahr 2016 haben die Konzerne erneut fallende Umsätze und Gewinne gemeldet; bei Tausenden Beschäftigten bleibt die Sorge um ihre Arbeitsplätze groß.

Doch erstmals scheint es nun wieder aufwärts zu gehen, ein wenig zumindest. Die Produzenten jedenfalls zeigen sich optimistisch. So läuft das wichtige Geschäft mit den Kunden aus der Auto-, Airline- und Eisenbahnindustrie besser, und auch die Ölbranche hat ihre Stahlvorräte demnächst aufgebraucht. Vor allem aber sorgen die von der EU verhängten Anti-Dumping-Zölle gegen die Billigeinfuhren aus China für steigende Preise vieler Stahlprodukte. China – aber auch Russland und die Ukraine – unterstützen ihre Stahlkonzerne massiv, um der Konkurrenz aus Europa und den USA den Garaus zu machen.

Weltweite Nummer 7

Die heimischen Erzeuger wünschen sich von Brüssel daher, noch mutiger als bislang gegen diese auf unfaire Weise geschaffenen Überkapazitäten vorzugehen. Branchenverbände wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl etwa fordern den Erhalt von Schutzzöllen. Denn umgekehrt verschaffen gerade China und Indien ihren Herstellern Wettbewerbsvorteile, indem sie für Waren aus der EU hohe Importzölle erheben, komplizierte Lizenzsysteme erschaffen oder heimische Hersteller bei öffentlichen Ausschreibungen bevorzugen.

Für die deutsche Volkswirtschaft spielt die Stahlindustrie eine nach wie vor wichtige Rolle: Für den Bau, aber auch für die Export-Top-Branchen Maschinenbau und Automobil ist Stahl unverzichtbar. Deutschland ist größter Stahlhersteller in der Europäischen Union und auf weltweiter Ebene die Nummer 7. Jährlich werden hierzulande mehr als 40 Mio. Tonnen Rohstahl erzeugt, von diesen werden über 65 Prozent in sogenannten integrierten Hüttenwerken (Hochöfen, Stahl- und Walzwerken) hergestellt.

Außenhandel entscheidend

Branchenprimus in Deutschland ist Thyssen-Krupp, gefolgt von der 1937 gegründeten Salzgitter AG, die international ein eher kleiner Fisch ist. Während Thyssen-Krupp im Kampf um neue Stärke unter anderem auf eine Stahlallianz mit seinem indischen Wettbewerber Tata Steel setzt, hat sich Konkurrent Voestalpine vom Massengeschäft fast verabschiedet. Österreichs Nummer 1 legt ihren Fokus stattdessen auf die Weiterverarbeitung zu hochwertigen Bauteilen. Aber auch Salzgitter – einst Schwesterunternehmen von Voestalpine – sieht in Fusionen keine Lösung der Dumpingproblematik.

Einen wesentlichen Faktor für den Erfolg der deutschen Stahlindustrie stellt der Außenhandel dar: Über die Hälfte der Produktion ging 2015 in den Export, zu 75 Prozent in andere EU-Staaten. Globale Geschäftsreisen sind für die Konzerne daher alltäglich – auch schon deshalb, weil sie über Töchter im Ausland verfügen, etwa in Texas (Salzgitter, Voestalpine), Frankreich und Mexiko (Salzgitter) oder Brasilien (Thyssen-Krupp). Und die Salzgitter AG ist sogar selbst in der Mobilitätssparte unterwegs: Mit der Peine-Salzgitter VPS führt sie eine der zehn größten Bahngesellschaften Deutschlands (Güterverkehr), hält die Mehrheit am Hansaport des Hamburger Hafens und führt mit dem „Hotel am See“ sogar ein eigenes Vier-Sterne-Haus.

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