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Deutsches Cowboy-Land in Texas

von Oliver Graue, 24.11.2016, 15:45

New York, Florida und Kalifornien gehören zu den beliebtesten US-Zielen deutscher Besucher. Ebenso faszinierend ist jedoch Texas, allein schon wegen seiner deutschen Vergangenheit. Eine spannende Region auch für MICE.

Foto: BizTravel

Der amerikanische Akzent lässt sich nicht verleugnen. Doch ihre Muttersprache (besser gesagt: den Mutterdialekt) beherrscht Dora noch ausgezeichnet, obwohl sie bereits seit 1953 in den USA lebt. „Ick bin aus Berlin“, begrüßt sie die Besucher des Visitor Center New Braunfels, streckt Ihnen die Hände entgegen, mitten in Texas. Einmal pro Woche helfen Dora und ihr Mann Donald im Touristenbüro aus, und die Freude über die deutschen Gäste ist ihnen anzumerken. „Macht die Stadtbesichtigung zu Fuß“, raten sie, „geht in unser Museum, und schaut Euch außer New Braunfels auch Gruene und Boerne an. Und natürlich Fredericksburg. Und zu Uwe müsst Ihr auch unbedingt gehen.“ Zu Uwe Naegelin, der die älteste Bäckerei in Texas führt. Lebkuchen essen.

Irgendwie spannend, fast ein wenig surreal. Über 8.500 Kilometer liegt Deutschland entfernt, doch die Orte heißen Braunfels, Gruene, Boerne, Bastrop, Bergheim oder Luckenbach. Und die, die hier wohnen, tragen Namen wie Schultz, Schmidt oder Meyer. In Deutschland waren die meisten von ihnen noch nie. Dass ihre hübschen Städtchen deutsch sind, darauf aber bestehen sie. Schließlich holen sie sich regelmäßig „Apple Strudel“ und „Pfefernuesse“ in Naegelin's Bakery – 1868 gegründet. Zudem feiern sie jedes Jahr das „Wurstfest“, lesen die „New Braunfels Herald-Zeitung“, und ab und zu suchen sie Abkühlung im „Schlitterbahn Waterpark“, einem der größten Vergnügungsparks des US-Bundesstaats.

Idealer Ort für MICE

Wer als Urlauber oder Geschäftsreisender das südliche Zentraltexas durchquert, reibt sich die Augen. Vom Mittleren Westen der USA ist zwar bekannt, dass es dort einst Hunderttausende deutsche Auswanderer hinzog, nach St. Louis, Milwaukee oder Omaha. Dass aber auch das texanische Hill Country eine Hochburg der Deutschen darstellt, das erfahren die meisten erst, wenn sie vor Ort sind in dieser sehr grünen und sanft-hügeligen Landschaft. Die Natur war ein Grund für die deutschen Immigranten, sich im 19. Jahrhundert hier anzusiedeln: Sie erinnerte an die Heimat.

„German Belt“ – deutscher Gürtel –, so wird die Gegend zwischen den Großstädten San Antonio, Austin und Houston heute bezeichnet. Mit folkloristischer Bierseligkeit hat das wenig zu tun. Nach wie vor leben viele Menschen die Kultur ihrer Vorfahren, treffen sich in Liederkreisen und zu Schützenfesten. Wenn auch in einem weitaus geringeren Maß als noch vor 100 Jahren: Damals war Deutsch die dominierende Sprache im Hill Country, in ihr wurde unterrichtet, und sie wurde im Alltag gesprochen. Der Niedergang kam mit den beiden Weltkriegen, die das zuvor ausgezeichnete Image der Deutschen komplett ruinierten. Es gehörte sich nicht mehr, Deutsch zu sprechen. Teilweise war es sogar verboten.

Wer eine der empfohlenen Stadtrundgänge unternimmt, der jedoch stößt auf Schritt und Tritt auf die Reste deutscher Kultur. Schilder vor den Häusern erinnern an ihre Erbauer und deren Geschichte, und an den Ladentüren grüßt noch immer die Aufschrift „Willkommen“. Das ist so normal wie ein deutsches „Danke“ oder „Auf Wiedersehen“ aus dem Mund der Verkäufer und Kellner.

Für MICE ist Zentraltexas ein idealer Ort: Wenn es denn eine Firmenveranstaltung in der Ferne sein soll, könnte der Spannungs- und Erinnerungsfaktor kaum höher sein als hier. Wie typische Westernstädte wirken New Braunfels, Luckenbach & Co – auf den Tisch allerdings kommt Sauerbraten, und manche der alten, bärtigen Cowboys unterhalten sich in einem Kauderwelsch aus Englisch und Deutsch. Wunderbar lässt es sich hier auf den Spuren deutscher Auswandererkultur wandeln. An Tagungshotels mangelt es nicht, und dank neuer Flugstrecken ist Texas inzwischen gut und auch direkt zu erreichen.

Wer enige der schönsten Orte in Texas nur besuchen, dort aber nicht direkt tagen will, der wählt für seine Veranstaltung eine der fünf großen texanischen Städte. Austin als Hauptstadt und San Antonio liegen um die Ecke. Etwas weiter entfernt sind Dallas, Fort Worth und Houston. Sie bieten ein breites Spektrum an Konferenzzentren, Tagungshotels und Kultur- wie Unterhaltungsmöglichkeiten.

Deutsche Orte in Texas

Vielleicht begegnet man auch dem jungen Familienvater, der die Besucher nach deren Herkunft fragt. Nein, nicht Frankreich, wie er annimmt. Sondern Deutschland. „Ach“, antwortet er, „ist das nicht das Land, das man als das Land unserer Väter bezeichnet?“

New Braunfels: Zum „Wurstfest“ kommen Besucher aus den gesamten USA (4. bis 13.11.2016); ebenso beliebt sind der Weihnachtsmarkt (18. bis 20.11.) und das Bierfestival im März. Die 60.000-Einwohner-Stadt, 1845 im Auftrag von Carl Prinz zu Solms-Braunfels gegründet, versprüht den Charme seiner deutschen Vergangenheit. Die Geschichte von New Braunfels erzählt das Sophienburg-Museum; probieren sollte man das texanisch interpretierte deutsche Gebäck aus Naegelin's Bakery.

Gruene: Klein, aber wunderschön und gemütlich: Gruene, von den Söhnen der Siedler Ernst und Antoinette Gruene gegründet, gehört heute zu New Braunfels. Dorfmittelpunkt bildet die Gruene Hall, eine seit 1878 bis heute geöffnete Tanz- und Trinkhalle. Auf der 6000 qm großen Fläche haben bereits viele Musiker ihre Karriere begonnen. Von Februar bis November finden an jedem 3. Wochenende im Monat die Old Gruene Market Days statt.

Boerne: In den historischen Gebäuden an der „Hauptstraße“ sind heute – wie in den anderen deutschen Städtchen auch – vor allem Kunsthandwerksläden, Boutiquen, Galerien, Souvenirshops und Buchhandlungen untergebracht. Nach wie vor aktiv ist der „Boerne Schützenverein“, und immerhin bis 1977 hatte es der „Boerne Gesangverein“ durchgehalten. Jedes Jahr im Juni feiern die Menschen beim „Berges Fest“ ihre deutsche Tradition.

FredEricksburg: Liberal gesinnte, gebildete Deutsche aus dem Westerwald besiedelten um 1850 den zu Ehren des Prinzen Friedrich von Preußen gegründeten Ort Fredericksburg. Im Gegensatz zum Staat Texas lehnten sie von Anfang an die Sklaverei ab, und der mit den Indianern geschlossene Vertrag wird bis heute eingehalten – als einziger in den USA. Mit großem Stolz leben die 10.000 Einwohner ihre deutschen Traditionen, und im Vergleich zu den anderen Städtchen wird noch relativ viel „Texasdeutsch“ gesprochen. Als vor wenigen Wochen die historische Tanz- und Turnhalle, beliebter Treffpunkt der Deutschen, abbrannte, berichteten alle US-Medien groß.

San Antonio (King William District): Im wohl edelsten Stadtteil der Millionenstadt San Antonio reiht sich eine historische Villa an die andere. Deutsche Kaufleute hatten das König-Wilhelm-Viertel einst gegründet und dem späteren Kaiser Wilhelm I. gewidmet. Wer Lust hat, kann Haus für Haus abfahren (oder ablaufen) – eine Broschüre liefert Infos zu jedem der fast 100 Gebäude.

MICE-Städte in Texas

Dallas: Seit der TV-Serie um die Ewings kennt Dallas jeder. Und bereits zuvor machte die Stadt Schlagzeilen, als am 22. November 1963 US-Präsident John F. Kennedy hier erschossen wurde. Dort befindet sich heute das Sixth Floor Museum: Ein Besuch lässt Weltgeschichte nachempfinden und gehört in jedes Rahmenprogramm. Beginnen sollte dieses aber mit einem Blick vom Reunion Tower (171 m): ein tolles Skyline-Panorama! Die Southfork-Ranch liegt 40 km nördlich von Dallas, und ein Muss ist ein Rodeo-Besuch in der Mesquite Arena im Südosten der Stadt.

Fort Worth: Dallas' Nachbarstadt gehört zu den schönsten in Texas. Gemütlich ist die vom Art deco geprägte Innenstadt; der Cultural District beherbergt einige der bedeutendsten Kunstmuseen der USA. Wer Vergnügen sucht, findet es in der Altstadt, den Stockyards. Das Viertel vereint Kulturgeschichte mit Cowboy-Unterhaltung – samt des größten Country-Musik-Clubs der Welt.

Houston: Die mit 2,1 Mio. Einwohner viertgrößte Stadt der USA (nach New York, Los Angeles und Chicago) ist Sitz der US-Ölindustrie. Das größte texanische Kunstmuseum (Museum of Fine Arts) befindet sich hier. Für Raumfahrtfans ist das Space Center einen Besuch wert: 14.000 Beschäftigte kontrollieren von hier aus das bemannte Raumfahrtprogramm der USA.

Austin: Die Hauptstadt von Texas gilt als alternativ und liberal: Studenten geben den Ton an. Die Dichte an Musikclubs und Konzerten ist die mit Abstand größte in den USA (Sixth Street), zudem startete von hier aus die Food-Truck-Bewegung ihre Karriere. Wichtigste Attraktion ist aber ein Naturschauspiel: Abends verlassen 1,5 Mill. Fledermäuse ihren Schlafplatz unter der Brücke – binnen 20 Minuten.

San Antonio: Wenn nach der lebenswertesten Stadt der USA gefragt wird, kommt San Antonio häufig auf Platz 1. Die älteste Stadt in Texas beherbergt mit dem Fort Alamo nicht nur das nationale Symbol des Bundesstaates („Schlacht von Alamo“), sondern besticht mit den spanischen Missionskirchen. In der Innenstadt wiederum lässt es sich wunderbar am Fluss flanieren.

Infos in Kürze

Einreise: Wer in die USA fliegt, muss rechtzeitig seine elektronische Einreisegenehmigung beantragen (ESTA). Mögliche Umsteigezeiten an US-Flughäfen sollten zeitlich großzügig gewählt werden; 2 bis

3 Stunden sollte man einplanen.

Flüge: Direktflüge nach Dallas und Houston gibt es nur ab Frankfurt mit Lufthansa, American Airlines und United. Condor fliegt neuerdings direkt nach Austin.

Hotels: Wegen des schwachen Euro sind die US-Hotelpreise höher als bei uns.

Mietwagen: ein Muss, da es kaum ÖPNV gibt, und relativ günstig, und Benzin ist mit gut 50 Cent pro Liter billiger als bei uns. Dallas, San Antonio und Houston bieten zwischen den Sehenswürdigkeiten preisgünstigen Busverkehr an; Parken ist teuer.

WICHTIG: Führerschein und Reisepass sollte man im Falle von Polizeikontrollen griffbereit neben sich haben. Muss man erst nach hinten greifen, kann dies als Griff zu einer Waffe missdeutet werden.

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