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Dossier Mittelstand (Teil 1) (0)

Wirtschaften mit China

von Oliver Graue, 01.02.2017, 09:00

Der deutsche Mittelstand ist höchst engagiert im Reich der Mitte: Bereits jeder zweite hiesige Investor dort ist ein KMU. Umgekehrt sind die Chinesen auf Einkaufstour hierzulande.

Handelspartner: Containerschiff aus Schanghai in Hamburg.

Die Zahlen sind beeindruckend: Seit dem Jahr 2000 haben sich die deutschen Exporte nach China fast verachtfacht. Mit einem Wert von 74,5 Mrd. Euro erreichten sie 2014 einen absoluten Rekord (2015 ging es leicht nach unten). Damit ist die Volksrepublik der inzwischen viertgrößte Abnehmer deutscher Produkte – nur nach Frankreich, in die USA und nach Großbritannien wird noch mehr verkauft. Und für die Automobilhersteller steht China (nach den USA) sogar an zweiter Stelle.

Besonders bedeutend jedoch ist das asiatische Land für die deutsche Vorzeigebranche schlechthin: den Maschinenbau. Denn nirgends anders verkaufen die hiesigen Unternehmen mehr Produkte. Ihr Wert betrug zuletzt 17 Mrd. Euro, mehr als 10% des gesamten Exportvolumens. Zugleich wird damit die Bedeutung des fernöstlichen Marktes für den deutschen Mittelstand deutlich, der den Maschinenbau deutlich prägt. Tatsache ist: Immer mehr deutsche Mittelständler sind in China aktiv. Neuen Zahlen zufolge handelt es sich bereits bei jedem zweiten dort engagierten Betrieb um ein KMU – vor zehn Jahren waren es gerade mal 20 Prozent.

Dabei behauptet sich der deutsche Mittelstand im Reich der Mitte oftmals besser als seine internationalen Wettbewerber: Er gilt als besonders flexibel. So seien für den chinesischen Markt mehrere verschiedene Vertriebsstrategien nötig, da sich die einzelnen Landesteile klar voneinander unterscheiden, sagen Berater. Eine dezidierte Analyse der Märkte sei daher ebenso nötig wie ein Vorgehen in kleinen, vorsichtigen Schritten.

Weg zum Hightech-Land

Neben dem wirtschaftlichen Erfolg des deutschen Mittelstands in China stehen aber auch etliche Risiken. So müssen sich Interessenten nach wie vor strengen Kontrollen unterziehen. „Investoren erwarten mehr Vertragsfreiheit und gleiche Marktzugangsbedingungen, vor allem denselben Zugang zu den öffentlichen Ausschreibungen wie chinesische Unternehmen“, heißt es in einer kritischen Bestandsaufname der Bundesregierung.

Bislang herrscht Ungleichheit: Während die Chinesen massiv in den europäischen Markt drängen, ist ausländischen Unternehmen in China der Zugang zu vielen Feldern rechtlich verschlossen oder faktisch nicht möglich. Hinzu kommt der oft mangelhafte Schutz geistigen Eigentums.

Umgekehrt wird Chinas Einkaufstour in Deutschland immer schneller. Bis Ende Oktober 2016 wurden bereits 56 deutsche Firmen übernommen – 44 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2015. Ziel der chinesischen Regierung ist es, mit Hilfe westlicher Hochtechnologie bis zum Jahr 2049, dem 100. Jahrestag der Volksrepublik, zur führenden Industrie-Supermacht aufzusteigen.

Dabei soll die Wertschöpfung künftig verstärkt im Land bleiben und nicht mehr an den Westen abgegeben werden. „China ist schon alle lange nicht mehr die billige Werkbank der Welt“, sagt Hubert Lienhard, Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. „Es ist auf dem Weg zum Tech-Land und mittelfristig zum Hightech-Land.“

Chance oder Gefahr für den deutschen Mittelstand? Noch bessere Positionierung oder risikoreicher Technologietransfer? Fragen, an denen sich die Geister scheiden. Fest steht nur: Mit den Wirtschaftsaktivitäten nimmt auch die Zahl der Geschäftsreisen ins Reich der Mitte weiter zu. Insgesamt steht China im Fernstreckenvergleich – hinter den USA – bereits an zweiter Stelle. Und bei den Städtezielen führt Schanghai, gefolgt von Peking.

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