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Viele Angebote, wenig Nachfrage

von Martin Jürs, 16.03.2017, 11:10

Green Travel Unternehmen geben sich gern nachhaltig. Doch bei Geschäftsreisen und im MICE-Bereich spielt der Umweltschutzgedanke all zu häufig noch eine untergeordnete Rolle. Am mangelnden Angebot liegt es nicht.

Foto: Thinkstock

Die Bundesregierung geht mit gutem Beispiel voran: In dieser Legislaturperiode werden erstmals die durch Dienstreisen des Kabinetts verursachten Schadstoffe durch den Ankauf von Emissionsgutschriften zur Förderung von Klimaprojekten kompensiert.

Und dabei kommt einiges zusammen. So hat das Umweltbundesamt im Auftrag der Regierung allein für 2014 Klimazertifikate im Gegenwert von mehr als 138.000 Tonnen sogenannter Kohlendioxid-Äquivalente erworben. Damit wird der Schadausstoß aller Dienstreisen von 16 Ministerien und weiteren 58 Bundesbehörden ausgeglichen, die per Flugzeug oder mit den Dienstwagen unternommen wurden. Bahnreisen sind von der Kompensation ausgenommen, da die Deutsche Bahn mit Ökostrom auf der Fernstrecke unterwegs ist. Mit dem Gegenwert der Gutschriften werden mehrere Umweltprojekte unterstützt, unter anderem ein Projekt zur Stromerzeugung aus Ernteresten in Indonesien sowie der Bau von dezentralen Biogasanlagen in Nepal.

Die Politik kann mit einem solchen Schritt als Vorreiter gelten. Zwar ist die Kompensation des Schadstoffausstoßes nicht neu, doch bei Geschäftsreisen, aber auch im Bereich von Tagungen und anderen Veranstaltungen, tun sich nicht wenige Firmen hierzulande mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit schwer. Dabei mangelt es nicht an den entsprechenden Angeboten. Leistungsträger, gerade auch in der Hotellerie, haben längst nachhaltige Produkte und Services im Angebot und setzen gezielt auf den Wettbewerbsfaktor Nachhaltigkeit. Zahlreiche Zertifikate und Öko-Siegel geben hier zudem Orientierung (siehe Seite 52). Bloß die gezielte Nachfrage danach ist noch ausbaufähig.

Das zeigt sich auch am Stellenwert, den dieses Thema in Umfragen unter Geschäftsreiseverantwortlichen einnimmt. Unter den Top-Ten-Prioritäten der Travel Manager tauchen Umweltschutz und Nachhaltigkeit aktuell nicht mehr auf. In einer Umfrage der Geschäftsreisekette CWT zu den wichtigsten Themen in der Geschäftsreisebranche gingen zuletzt noch ein gutes Drittel der teilnehmenden Reiseverantwortlichen davon aus, dass Nachhaltigkeit in Zukunft eine größere Rolle im Travel Management spielen werde als in der jüngeren Vergangenheit.

Im Geschäftsreisealltag deutscher Unternehmen ist das allerdings häufig noch nicht angekommen. Viele Firmenkunden gehe es nach wie vor zunächst um Kosteneffizienz, so René Zymni, Vice President Commercial für Zentraleuropa bei CWT-Wettbewerber BCD. Zwar sei das Interesse an Geschäftsreisen, bei denen auch der Klimaschutzaspekt berücksichtigt würden, gestiegen. „Bei vielen Unternehmen ist das Potenzial im Bereich Green Business Travel aber noch ausbaufähig“, konstatiert der Manager.

Muss nicht teurer sein

Nur wenige Unternehmen sind da so konsequent wie SAP. Der Software-Konzern aus Walldorf kauft nicht nur wie die Bundesregierung Emissionszertifikate zum Ausgleich für auf Geschäftsflügen verursachte Schadstoffe. Die IT-Schmiede forciert auch den Ausbau von sogenannten Telepresence- und Videokonferenz-Systemen, um die virtuelle Zusammenarbeit zu fördern und die Zahl der Dienstreisen speziell für interne Treffen zu reduzieren. Zu diesem Zweck wurden zum Beispiel 2015 mehr als 100 sogenannte Collaboration Rooms eingerichtet, in denen Mitarbeiter auf Basis der Online-Plattform Skype miteinander reden können.

Dies zeigt, dass durchaus Bewegung im Bereich nachhaltiges Travel und Meeting Management vorhanden ist – wobei es eben nicht um Reisevermeidung generell geht, sondern um die bewusste Entscheidung, wo und wann wirklich ein persönliches Treffen notwendig ist. „Es geht in die richtige Richtung“, meint dann auch Lorenz Szyperski, Leiter des Fachausschusses Nachhaltigkeit beim Geschäftsreiseverband VDR.

Dass das Thema bislang nicht buchstäblich mehr Fahrt aufgenommen hat, hängt nach Ansicht von Szyperski und Zymni auch mit einem falschen Verständnis von Nachhaltigkeit zusammen: „Viele Entscheider gehen davon aus, dass umweltbewusste Dienstreisen mit höheren Kosten verbunden sind“, so Zymni. Das jedoch sei nicht zwangsläufig der Fall. Ökonomische und ökologische Aspekte, zum Beispiel bei der Hotelauswahl, könnten sich bei Geschäftsreisen und Veranstaltungen ergänzen. Ein Hotel, dass zum Beispiel über das Green-Certified-Siegel des Geschäftsreiseverbandes VDR verfügt, ist nicht automatisch teurer als ein vergleichbares Haus ohne entsprechendes Zertifikat.

Hilfestellungen bei der umweltgerechten Ausrichtung von Tagungen und Geschäftsreisen bieten nicht nur Dienstleister wie CWT mit ihrer Analyse-Software und entsprechenden Beratungsangeboten. Auch der VDR liefert zumindest seinen Mitgliedern diverse Anleitungen. So hat der Fachausschuss des Verbands unter anderem einen 54 Seiten starken „Leitfaden für ein nachhaltiges Travel Management“ sowie „Empfehlungen für grüne Elemente in der Reiserichtlinie“ erarbeitet. Die Instrumente für nachhaltig gestaltete Geschäftsreisen sind also vorhanded, die Unternehmen müssen sie nur anwenden – wie der Bund.

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