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Alexa in der Reisebranche (0)

Abhören für Anfänger

von Oliver Graue, 28.03.2018, 12:00

Die Deutschen helfen Amazon gern – im Feldzug gegen das, was Deutschland ausmacht, die mittelständische Wirtschaft. Wanze Alexa kämpft nun mit.

Nein, der viel beschworenen Generation Y – also den zwischen 1980 und 2000 Geborenen – gehöre ich nicht an, von den noch jüngeren Hüpfern der Generation Z ganz zu schweigen. Ich, Jahrgang 1967, bin ein X-er mit Leib und Seele.

Als solcher erinnere ich mich noch an die Proteste, die eine Volkszählung Anfang der 80er Jahre in Deutschland ausgelöst hatte. Bürgerinitiativen riefen gar zum Boykott der Aktion auf, da sie den Schutz ihrer Daten – das sogenannte Recht auf informelle Selbstbestimmung – nicht mehr gewahrt sahen. Sie gingen vor Gericht, und tatsächlich verboten die Bundesverfassungsrichter die für 1983 geplante Volkszählung in ihrer damaligen Form. Vier Jahre später fand sie dann in deutlich entschärfter Weise statt.

Und heute? Heute haben die meisten Menschen nur ein Schmunzeln für die Besorgnisse von damals übrig. Datenschutz? Klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Datensammelwut ist heute die Sache privater Konzerne, und das, was der Staat 1983 von uns wissen wollte, ist völlig lächerlich im Vergleich zu dem, was die Deutschen heute freiwillig über sich preisgeben – bei Amazon, Facebook und Google. Damit unterstützen sie Amazon in seinem Krieg gegen die mittelständischen Händler – aus purer Bequemlichkeit. Und sie befeuern weiter die wohl effektivste Gelddruckmaschine, die es jemals gegeben hat: Boss Jeff Bezos ist mit seinem Vermögen von 100 Milliarden Dollar der reichste Mensch, den es jemals gegeben hat.

Krieg gegen den Mittelstand

Bezos‘ Feldzug ist aber noch lange nicht zu Ende. Mit dem Dienst „Fresh“ nimmt er nun die Lebensmittelhändler ins Visier. Die Folge wird sein, dass in unseren Fußgängerzonen weitere Läden dichtmachen und die Zentren aussterben. Aber Amazon darf das (offenbar). Und in Sachen Steuern drücken unsere Politiker bei den Konzernen sowieso ein Auge zu. Politiker aus Irland, Holland oder Luxemburg sogar zwei.

Warum das alles so ist? Keine Ahnung. Aber da könnten wir mal Alexa fragen – also das Aufzeichnungsgerät, das zu den meistverkauften Amazon-Produkten im Weihnachtsgeschäft 2017 gehört haben soll. „Alexa, sag Hallo“ oder „Alexa, kauf mir eine neue Hose“ – tippen ist out, sprechen reicht völlig.

Na ja, dass sich Alexa auch mal unbeabsichtigt einschaltet, unsere Gespräche zu Hause aufzeichnet und an eine Konzernzentrale irgendwo in den USA übermittelt, passiert halt. In manchen Ländern wurden (und werden) Oppositionelle von Geheimdiensten abgehört. Viel zu umständlich: Mit Alexa machen wir das doch gern alles selbst, geben Intimstes über uns und unser Leben preis. Denn nur so kann Jeff Bezos im nächsten Jahr noch reicher werden. Und wozu brauchen wir eigentlich noch eine Bundesregierung? Wir haben doch Amazon. Und Google. Hat da jemand etwas von Totalüberwachung und Orwell 4.0 gesagt?!

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