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So funktioniert Wirtschaft

21.03.2018, 11:27

Stornieren Fluggäste einen restriktiven Tarif, muss die Airline das Geld nicht zurückzahlen. Das entschieden nun die Bundesrichter. Und sie haben Recht.

Hauptsache billig: Der Saturn-Slogan „Geiz ist geil“ ist zwar Vergangenheit, doch er steht nach wie vor symptomatisch für das Billig-Denken in weiten Teilen der Bevölkerung. Wurde früher zumindest noch kritisch hinterfragt, warum bestimmte Produkte überhaupt so preisgünstig angeboten werden können, interessiert dies heute nur noch wenige.

Eine Entwicklung, die auch in der Luftfahrt zu beobachten ist. Mit den tatsächlichen Kosten, die das Fliegen verursacht, haben Ticket-Preise von 19,99 Euro nichts mehr zu tun. Dubiose Beschäftigungspraktiken, schlechte Löhne, Verdacht auf Sozialversicherungsbetrug, wie ihn die Staatswanwaltschaft Koblenz inzwischen bei Ryanair-Piloten als erhärtet ansieht: Solange die Tickets billig sind, nehmen dies viele Menschen hin.

Noch unverschämter allerdings mutet es an, derartige Günstig-Flüge zu buchen und sich hinterher zu beschweren, bei Nicht-Antritt das Geld nicht zurückzuerhalten. Ist es dreist? Oder einfach nur dumm? Vor dem Bundesgerichtshof klagten jetzt Passagiere, die einen solch restriktiven Tarif gebucht hatten, den Flug wegen Krankheit jedoch stornieren mussten. Sie verlangten eine komplette Rückerstattung des Flugpreises, also nicht nur der Steuern und Gebühren, was natürlich gerechtfertigt wäre.

Rein betriebswirtschaftlich ist eine solch radikale Forderung Nonsens: Das Flugzeug startet schließlich auch ohne die beiden Passagiere, das heißt, die Kosten entstehen der Fluggesellschaft in jedem Fall. Zudem hatten sie die Wahl: Niemand hat sie gezwungen, einen günstigen Tarif zu buchen, der von vornherein an Restriktionen gebunden war.

Die Richter entschieden daher absolut zu Recht gegen die klagenden Fluggäste. Denn was wären – wirtschaftlich gesehen – die Folgen, wären Airlines zur Rückzahlung verdonnert? Klar: Es würde für alle Passagiere in Zukunft teurer werden, weil eine Fluggesellschaft wie jedes andere Unternehmen Geld verdienen muss. Mögliche Rückzahlungen für stornierte Flüge müssten dann in die Tickets eingepreist werden.

Und einmal ganz davon abgesehen, liebe Kläger: Schon mal was von Reiserücktrittsversicherungen gehört?

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