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Eine Stewardess erzählt (0)

8000 Liter Tomatensaft und 72 Lippenstifte

26.03.2018, 11:49

Freude und Ärger liegen dicht beieinander: Höchst kurzweilig erzählt Kathrin Leineweber aus ihrem Leben als Flugbegleiterin.

Von Sabine Neumann

Kathrin Leineweber
Foto: Privat/K. Leineweber

Beim Kofferpacken ist Kathrin Leineweber ein Profi: Mit ihr kommt so schnell niemand mit. Kein Wunder, denn der ständige Umgang mit Reisegepäck gehört zu ihrem Job als Flugbegleiterin. Die gebürtige Hamburgerin übt ihren Beruf als Stewardess seit mehr als 27 Jahren aus – mit großer Leidenschaft.

Eigentlich wollte Katrin Leineweber Balletttänzerin werden. Nach einem Urlaubsflug 1975 mit Oma und Opa nach Mallorca entschied sie sich spontan um: „Ich werde Stewardess! Jeden Tag sehe ich die Sonne, trage eine schicke Uniform, bewirte Gäste, spreche mehrere Sprachen und sehe viel von der Welt.“

Bitte Reifendruck prüfen!

Die Ernüchterung folgte nach dem Schulabschluss: „Ich musste eine abgeschlossene Schulbildung vorweisen und eine Lehre in einem Dienstleistungsunternehmen absolviert haben“, erzählt die heute 50-Jährige. Sie verfolgte ihr Ziel eisern. „Nach einer Ausbildung zur Hotelfachfrau in einem renommierten Hamburger Hotel bewarb ich mich mit Erfolg bei einer deutschen Fluggesellschaft.“

Nach ihrem Abschluss als Flugbegleiterin wurde sie 1990 auf ihre erste Strecke eingesetzt: Es ging nach Monastir in Tunesien. Der Kapitän hatte auch gleich eine spannende Aufgabe für die Neue: „Könnten Sie bitte mal kurz den Reifendruck am Fahrwerk überprüfen?“ Natürlich war das ein Scherz. Einer, den Kathrin Leineweber schnell durchschaute.

Mittlerweile hat sie als Chefstewardess einiges hinter sich: 28 Paar Schuhe verbraucht, 8000 Liter Tomatensaft an durstige Kehlen verteilt, mehr als 160 verschiedene Flughäfen angeflogen, 12.000 Stunden und 7 Mio. nautische Meilen in der Luft verbracht und 72 rote Lippenstifte verschlissen. Und übrigens auch immer mal wieder Flugangst gehabt!

„Ich habe mir ein Beispiel an der Flugpionierin Elly Beinhorn genommen“, erzählt sie. „Ich dachte mir, wenn es diese Frau schafft, ohne Angst zu fliegen, dann muss das auch bei mir klappen.“ So war es dann auch. Ein Autogramm von ihr hat Leineweber stets dabei.

Rote Karte für Aufmüpfige

Wer so viel in der Luft unterwegs ist und mit ganz vielen Passagieren zu tun hat, macht die abenteuerlichsten Erfahrungen: Jeder Flug ist für Kathrin Leineweber eine neue Herausforderung. „Besonders willkommen sind mir Fluggäste mit guter Erziehung, die höflich und freundlich sind“, sagt die 50-Jährige, „Das erleichtert uns allen die Arbeit an Bord ungemein.“ Und wenn es mal nicht so ist: „Kommt mir ein Passagier unfreundlich, so stelle ich ihn mir einfach in seiner Unterhose vor.“ Wird der Fluggast aufmüpfig, „dann verteilen wir gelbe und rote Karten, die er unterschreiben muss. Bei Rot wartet bereits die Polizei am Zielflughafen.“ Und muss der Kapitän bei Randalierern eine Zwischenlandung einplanen, wird es für den Betreffenden teuer.

Stewardess – so einfach, wie er aussieht, ist der Job nicht. Kathrin Leineweber stellt fest: „Wir Flugbegleiter vereinigen eigentlich viele Berufe – zum Beispiel Krankenschwester, Psychologe, Kinderfrau, Pastor, Sicherheitsbeauftragter und natürlich Gastgeberin einer Fluggesellschaft.“

Zurück von der Papst-Audienz

Lustige Begebenheiten an Bord gibt es dennoch reichlich. „Da gab es auf dem Rückflug von Rom nach Düsseldorf einen gut gelaunten holländischen Männerchor, der gerade von einer Audienz beim Papst zurückkehrte und dort auch gesungen hatte“, erzählt die Hamburgerin. „Über Bordmikrofon gaben die 160 Chormitglieder nach der Landung noch auf dem Rollfeld eine Kostprobe ihres Könnens.“ Spontanität und Lebensfreude, die ihr in „schöner, herzerwärmender Erinnerung geblieben“ ist. Genau wie der ältere Fluggast, der seiner langjährigen Lebensgefährtin über Paris per Bordmikro einen Antrag machte.

Wenn Kathrin Leineweber auf Reisen geht, müssen stets ihr Handy, ihr iPad, ein Stofftier und eine Kuscheldecke mit: „Das brauche ich einfach zum Wohlfühlen.“ Die Hotels sollten sauber sein, genügend Kissen im Bett haben, das Hotelpersonal sollte freundlich sein, und nach Möglichkeit sollte es auch noch nachts etwas zu essen und zu trinken geben.

Begeistert von Südafrika

Gern fliegt sie nach Südafrika: Sie ist begeistert von der Landschaft („tolle Farben“), von der Freundlichkeit der Menschen („immer höflich“) und vom guten Essen („fangfrischer Frisch mit einem guten Glas Rotwein aus der Region“).

Ihre private Auszeit verbringt sie hingegen am liebsten auf der ostfriesischen Insel Norderney: „Hier finde ich den Wechsel der Jahreszeiten sehr spannend“, schwärmt Leineweber. „Und die Insel hat ihren eigenen Charakter.“ Und um an die Nordsee zu kommen, muss sie ausnahmsweise mal nicht in einen Flieger steigen

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