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Tiere im Flugzeug (0)

Heu gehört zum Bord-Service

von Sabine Neumann, 04.06.2018, 19:14

Auch Tiere gehen auf Reisen. Betreut werden sie in der Animal Lounge am Frankfurter Flughafen, der weltweit modernsten Station ihrer Art.

Das tut gut: ein kleiner Snack nach einer langen Flugreise.
Foto: Lufthansa Cargo

Nicht nur Menschen, sondern auch zahlreiche tierische Passagiere treffen täglich am Frankfurter Flughafen ein. Und sie fliegen von hier weiter in alle Welt: In der Animal Lounge von Lufthansa Cargo tummeln sich jährlich mehr als 110 Mio. schwimmende, krabbelnde oder aber auch fliegende Tiere – exotische Zierfische aus Südamerika oder Asien ebenso wie Nashörner, Schildkröten, Frösche, Löwen und Bären.

Ob beim Abfliegen, Ankommen oder Umsteigen: Die Tiere werden rund um die Uhr überwacht und von ihren Helfern betreut. Und sie werden strengstens kontrolliert: „Diese Fluggäste müssen schon bei der Annahme am Flughafen amtstierärztliche Untersuchungen für ihr Reiseland vorweisen und Quarantäne-Bestimmungen erfüllen”, sagt Sabine Grebe, Leiterin der Animal Lounge am Frankfurter Flughafen. „Außerdem prüfen wir, ob die Vorschriften der Luftfahrtvereinigung Iata eingehalten wurden, denn ansonsten entfällt eine weitere Beförderung." Lufthansa Cargo verzichtet zudem auf den Transport von Delfinen und Haien sowie von Tieren, die in freier Wildbahn gefangen wurden.

Tierärzte untersuchen genau

„Wir untersuchen die eintreffenden Tiere sehr genau, denn es dürfen keine Krankheiten eingeschleppt werden“, sagt Grebe: „Darauf haben auch die Tiermediziner der tierärztlichen Grenzkontrollstelle Hessen ein großes Augenmerk.” Aber nicht nur sie, sondern auch noch 38 Tierpfleger und Frachtabfertiger kümmern sich rund um die Uhr ums Wohl ihrer tierischen Gäste – darunter Pferdewirte, Tierarzthelfer und Zootierpfleger. Hinzu kommen 30 weitere Koordinatoren.

Die gut 4000 qm große Animal Lounge gilt als die weltweit modernste Flughafen-Tierstation. Unterteilt ist sie in den Export-, Import- und Transitbereich. Für diese Segmente gelten jeweils strenge Sicherheits- und Hygienevorschriften; eine Übertragung möglicher Krankheiten zwischen den Bereich soll so vermieden werden. Tatsächlich sind Krankheiten in der Tierstation höchst selten.

Auch die einzelnen Bereiche selbst sind in Sektoren unterteilt. So lassen sich Sicht- und Schallschutz sowie besondere Kontrollen bestimmter Tiere, etwa Zierfische, gewährleisten. Diese werden unter Schwarzlicht (Ultraviolettstrahlung) untersucht; für den Notfall stehen Spezialisten bereit. Und: In speziellen Klimakammern sowie drei abgetrennten Ruhebereichen fühlen sich beispielsweise Katzen fast wie zu Hause.

Auch Exoten unter den Passagieren

Die Stubentiger treffen mitunter auf Exoten wie Schneeleoparden und Pinguine. Diese machen im Rahmen von Arterhaltungs- und Auswilderungsprogrammen in Frankfurt Station. Aufsehen erregten 2017 auch 15 Mustangs aus Nordamerika. Diese dort wild lebenden Pferde kamen aus Atlanta direkt nach Hessen und wurden hier nach einem neunstündigen Flug betreut, bevor sie sich auf die Weiterreise zu ihren Trainern machten.

„Pferde sind sehr sensibel“, sagt Sabine Grebe: „Hier treffen wir besondere Vorkehrungen.“ Den Containerboden haben die Betreiber der Animal Lounge in Sandwich-Bauweise herstellen lassen, „das vermeidet eine Vibration beim Verladen ins Flugzeug“. Dabei werden die Pferde stets im Hauptdeck eines Frachtflugzeuges untergebracht – allein schon wegen ihrer Größe. „Der Bordservice – Heunetze und Wasserkanister – wird bei uns vorbereitet. Denn es ist sehr wichtig, dass Pferde während des Flugs genügend fressen und ausreichend trinken.“ Pflicht ist zudem die Betreuung durch einen Pferdebegleiter.

„All dies trägt dazu bei, dass diese Fluggäste sich bei uns sehr wohl fühlen, keinen Stress haben und gesund an ihrem Zielort ankommen. Zur Not hat der Pferdebegleiter aber auch krampflösende und beruhigende Medikamente dabei“, sagt Grebe. Erkrankt ein Tier auf Reisen plötzlich und ernsthaft, kontaktiert der Pilot die Animal Lounge. Bei der Landung ist dann sofort eine ärztliche Versorgung gewährleistet. „Solche Vorfälle sind zum Glück sehr selten.“

Fliegen ohne Stress

Auch sonst genießen Tiere besondere Vorzüge in Frankfurt: Sollten sie gemeinsam mit nicht lebendem Frachtgut reisen, dürfen sie als Letzte ein- und als Erste wieder aussteigen. Auf diese Weise lassen sich stressige Wartezeiten auf dem Flughafen vermeiden. Nicht jede Maschine eignet sich allerdings für den Tiertransport: Die Räume müssen artgerecht belüftet und temperiert sein.

Menschliche Fluggäste, die ihren Liebling mit auf Reisen nehmen möchten, müssen dies vorher bei der Fluggesellschaft anmelden. „Sie sollten dabei einiges bedenken“, empfiehlt Sabine Grebe. „Hunde etwa freuen sich über ihre eigene Decke und über eine Box, auf der auch der Tiername steht. So können wir unseren vierbeinigen Gast namentlich ansprechen. Das schafft Vertrauen.“ Die meisten Passagiere sind übrigens Hunde oder Katzen, sehr oft als Begleiter von Diplomaten oder von Angehörigen der US-Army.

Eines haben die Tiere übrigens mit ihren Frauchen oder Herrchen gemeinsam: Während der Flug für manche eine echte Aufregung bedeutet, lässt er andere völlig kalt. „Das ist sehr typabhängig", sagt Sabine Grebe, „bei den Tieren ebenso wie bei den Menschen.“

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