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Bei Greifswald (0)

Das ist Deutschlands gefährlichste Insel

von Oliver Graue, 23.08.2018, 11:46

Gut 1,2 Kilometer lang und 300 Meter breit ist das kleine Eiland vor Greifswald. Doch hier darf niemand rauf, der dazu nicht befugt ist.

Es könnte so schön sein, so idyllisch, auch für Tagungen. Zum Bodden hin wächst der Schilf, der Blick nach Rügen ist malerisch. Und auf Riems selbst, der gerade mal 1,2 Kilometer langen Ostsee-Insel bei Greifswald, finden sich Fischerhäuschen und denkmalgeschützte Villen.

Also ab nach Riems? Geht nicht. Meterhoher Stacheldraht und Beobachtungskameras allerorten sorgen dafür, dass kein Unbefugter die Insel betritt. Wer kommen möchte, braucht eine Genehmigung – und muss sich zunächst duschen, desinfizieren und umziehen. Die Prozedur wiederholt sich beim Verlassen des Eilands.

Die Insel Riems ist Sperrgebiet: Sie beherbergt die älteste virologische Forschungsstätte der Welt. Gesucht wird hier nach Impfstoffen gegen Tierseuchen. Das geht natürlich nur, wenn die Erreger – Viren und Bakterien – vorhanden sind. Im Fokus der Wissenschaftler stehen gefährliche Leiden wie BSE, Maul- und Klauenseuche sowie Schweinepest; und 2006 wurde auf Riems an einem Impfstoff gegen die Vogelgrippe H5N1 geforscht. Ihr fallen immer wieder Millionen von Wild- und Ziervögeln, Hühner und Puten zum Opfer. Für die Landwirte bedeutet das immense Verluste.

Modernste Forschungsstätte

Angefangen hatte alles im Jahre 1910. Friedrich Loeffler, ein Schüler des Tuberkulose-Entdeckers Robert Koch, hatte auf dem Festland bei Greifswald ein Labor errichtet. Sein Ziel war es, ein Heilmittel gegen die Maul- und Klauenseuche bei Rindern zu finden. Dabei stieß er nicht nur auf die Existenz von Viren (zuvor waren nur Bakterien bekannt gewesen), sondern musste – nachdem er unbeabsichtigt die ganze Region infiziert hatte – – seine Tätigkeit auf die abgeschiedene Insel Riems verlegen.

Geforscht wurde auch zu DDR-Zeiten, und 1992 schließlich gründete die Bundesregierung das Institut neu als Teil der Tübinger Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV). 2004 wurde sie in Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) umbenannt. Mit 89 Laboren und 163 Ställen für Versuchstiere ist dieses heute die modernste Forschungsstätte in Europa. Eingeweiht wurden die neuen Labore 2013 von Kanzlerin Angela Merkel persönlich – Riems liegt in ihrem Wahlkreis. Heute arbeiten 420 Menschen auf der Insel. die Impfstoffproduktion wurde inzwischen privatisiert und an die auf dem Festland gelegene Riemser Arzneimittel AG ausgelagert.

In den 90er-Jahren war das Wohngebiet im Westen der Insel übrigens für einige Jahre frei zugänglich. Der Damm auf das Eiland entstand 1971; zuvor ging es per Seilbahn oder Boot nach Riems. Mittlerweile herrscht jedoch die höchste Sicherheitsstufe. Dass wirklich nichts passiert, dafür sorgt nicht nur das „Rausduschen“, wie es die Beschäftigten nennen. In sogenannten Kill-Tanks stirbt jeder Keim, und von den Tieren bleibt nicht mehr als ein wenig Staub übrig.

Info: Zu Besuch auf Riems

Besichtigungen des Instituts sind nach Absprache möglich. Dazu gehört ein geführter Inselrundgang mit Besuch der kleinen historischen Ausstellung. Labore können nicht besichtigt werden. Gruppen sollten die Stärke von 20 Teilnehmern nicht überschreiten. Die Namen werden im Voraus benötigt. Tel. 03835 - 171244.

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