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So überlebt die kleine People’s in der Nische

11.12.2018, 07:35

Von Air Berlin bis Privatair: Obwohl die Passagierzahlen radikal wachsen, machen immer mehr Fluggesellschaften pleite. Vor allem kleine Airlines haben es schwer. Die österreichische People’s scheint eine Nische gefunden zu haben.

Von Lutz Schönfeld

Familiäre Atmosphäre: People’s hat etliche Stammgäste.
Foto: Lutz Schönfeld

Aktuell macht das Sterben der Fluggesellschaften wieder auf ein Problem der Branche aufmerksam: den Spagat zwischen der „Geiz ist Geil“-Gesellschaft mit immer geringeren Ticketpreisen und dem wirtschaftlichen und trotzdem sicheren Flugbetrieb. Wie kann das funktionieren, wenn alle immer nur billig fliegen wollen, trotzdem aber sicher, zuverlässig und pünktlich, gern auch in hoher Qualität?

Hinzu kommen die Anforderungen am Boden. Gering bezahltes Personal kann nicht die gleichen hohen Standards an den Abfertigungsprozess erfüllen wie angemessen entlohntes, gut qualifiziertes und motiviertes Fachpersonal. Und was ist an den Sicherheitskontrollen? Am Ende setzen sich in diesem Prozess oft nur die großen Fluggesellschaften durch, gern auch im starken Allianzverbund.

Dass es auch anders erfolgreich funktionieren kann, beweist eine kleine Airline vom Bodensee. Welches sind die Erfolgsgeheimnisse von People’s Viennaline? Klicken Sie sich durch unser Porträt.

Fokus auf die Strecke Altenrhein-Wien

People’s betreibt eine Flotte von zwei Embraer E-170.
Foto: Lutz Schönfeld

Sieht man sich das wirtschaftliche Konstrukt genauer an, versteht man, was hinter der Idee steckt. Unter dem Dach der People’s Air Group sind unter anderem die Altenrhein Luftfahrt GmbH (Hauptsitz Wien und Betreiber der Fluggesellschaft) sowie die Airport Altenrhein AG (Betreiber des Flughafen St. Gallen/Altenrhein, der Heimat von People’s). Die hier bestehende Interessensgleichheit ist eine gute Voraussetzung für einen wirtschaftlichen und effektiven Flugbetrieb.

Und diesen hat die 2011 gegründete Airline in der Nische gefunden. Hier kommen wir zum Namenszusatz, den sie noch bis Anfang 2018 trug: Viennaline. Mit zwei modernen Regionaljets vom Typ Embraer E-170 betreibt People’s bis zu vier Mal täglich die Strecke zwischen ihrer Heimatbasis, dem Flughafen St. Gallen/Altenrhein (IATA-Code: ACH), und Wien und stellt damit eine wichtige und stabile Verbindung sowohl für Geschäftsleute als auch Privatreisende zum Wirtschaftsstandort Wien sowie zu möglichen Weiterflugverbindungen dar. Wien ist immerhin Heimatbasis der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines.

Das Ziel, eine zweite Strecke neben Wien zu bedienen, scheiterte vor wenigen Jahren. People’s hatte im Oktober 2016 die Verbindung Altenrhein–Friedrichshafen–Köln in ihr Portfolio aufgenommen. Diese zeigte jedoch nicht die erwartete Rentabilität und wurde daher im April 2017 wieder gestrichen.

Charterflüge für ein großes Einzugsgebiet

Der Flughafen Altenrhein bei St. Gallen am Bodensee befindet sich im Besitz von People’s.
Foto: Lutz Schönfeld

Gleichzeitig erschließt sie die Bodenseeregion und das östlich davon gelegene Gebiet der Ostschweiz, von Vorarlberg und Liechtenstein. Die hierfür aufgerufenen Flugpreise (zum Zeitpunkt der Reportage begannen sie bei 279 Euro One Way) sind vergleichsweise hoch, werden von den Kunden aber akzeptiert. So erzielte die Fluggesellschaft, die sich neben der Linienverbindung auch im Charter zu klassischen Urlaubszielen aktiv zeigt und weitere Kapazitätsangebote durch Sondercharter erfüllt, 2017 einen Passagierzuwachs von 19% gegenüber 2016.

Insgesamt kam sie auf 119.000 Passagiere. Ein kurzzeitig bestehender Wettbewerb auf der Strecke mit dem österreichischen Nationalcarrier Austrian Airlines (AUA) wurde erfolgreich be- und überstanden.

Familiäre Atmosphäre an Bord

Die Jets der People’s verfügen über moderne Avionik.
Foto: Lutz Schönfeld

Ich hatte Gelegenheit, auf einem Umlauf zwischen Wien und Altenrhein das Produkt näher kennenzulernen. Da die An- und Abreise zwischen Berlin und Wien mit der AUA erfolgte, soll hier ein Vergleich genutzt werden. Die Qualität des Buchungsprozesses (Webseite der Airlines), des Web-Check-in, der Abfertigung an den großen Flughäfen sowie der Platz- und Servicekonzepte an Bord unterscheiden sich nur marginal.

Die Freundlichkeit des Personals am Boden und an Bord hängt – wie so oft – von der Tagesform der Mitarbeiter ab. Ich konnte hier auf allen Flügen sehr gute Erfahrungen sammeln. An Bord der People’s ging es etwas familiärer zu – sicher auch wegen der Flugzeuggröße und der Bekanntheit regelmäßig fliegender Passagiere. Getränkeangebote und ein kleiner Snack waren ebenso auf allen Flügen kostenfrei im Angebot, bei People’s konnte man zwischen diversen Snackvarianten (auch unterschieden nach Tageszeit) wählen. Der Sitzabstand differiert um 4 cm zugunsten von People’s.

Mehr Motivation durch eigenes Personal

Snacks und Getränke gibt es gratis und zur Auswahl.
Foto: Lutz Schönfeld

Vom Vorteil, am Boden durch eigenes Personal abgefertigt zu werden, konnte ich mich in Altenrhein überzeugen. Dies deckt sich mit meinen umfangreichen Erfahrungen in Norwegen beim norwegischen Regionalflieger Wideroe. Eingespieltes und motiviertes Personal, welches keinen Wettbewerbszwängen unterliegt und welches die Airline-Philosophie verinnerlicht hat, arbeitet auf einem anderen Servicelevel. Dies spürt der Passagier sofort. Jeder weiß, was ich meine – vor allem die leidgeprüften Berliner.

Nische, die für große Airlines uninteressant ist

Von Billigflug weit entfernt: Service-Konzept, wie es die großen Fluggesellschaften früher auch mal hatten.
Foto: Lutz Schönfeld

Fazit: Eine Nische, die für die großen Fluggesellschaften uninteressant ist und die Wettbewerb ausschließt, ein wirtschaftliches Einzugsgebiet mit weit entfernten weiteren Flughäfen, eine bewusste Beschränkung bei Strecken und Wachstumszielen, ein eigener Heimatflughafen, ein stabiler Flugplan mit guten und verlässlichen Frequenzen und ein selbstbewusster, marktgerechter Flugpreis – dies scheint das Erfolgsrezept der kleinen People’s zu sein.

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