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Business Travel boomt (0)

Geschäftsreisebüros legen kräftig zu

von Oliver Graue, 20.08.2018, 09:37

Ein gutes Jahr liegt hinter den Business-Travel-Anbietern. Mit Direktbuchung, NDC & Co stehen jedoch neue Herausforderungen an.

Mehr zu tun: Geschäftsreisebüro geht es derzeit größenteils sehr gut.
Foto: Getty Images/iStockphoto

Trotz Brexit, Trump, Terrorangst und Luftfahrtpleiten: Europas Wirtschaft läuft rund. Das schlägt sich in der Geschäftsreisebranche nieder: Fluggesellschaften und Hotels profitieren von der hohen Nachfrage, und auch die (meisten) Geschäftsreisebüros zeigen sich zufrieden.

CWT beispielsweise hat gerade Zuwächse auf breiter Front gemeldet: Sowohl die vermittelten Umsätze als auch die Erträge und das Neukundengeschäft legten 2017 zu. Vor allen in den Segmenten Beratung und Meeting & Events verzeichnet die Kette ein klares Plus. Das ist auch ein Signal dafür, dass sich die Anbieter längst nicht mehr nur in einer rein buchenden Funktion sehen, sondern neue Mehrwerte für ihre Kunden erschließen. Weltweit wuchs CWT bei seinem Umsatz um 3,6%; Zahlen für Deutschland veröffentlicht man nicht. Das größte Plus erzielten Derpart und DER Business Travel (zuvor FCM) mit 4,6%. Die LCC legten um 4,1% und BCD um 3,2% zu. Letztere gewannen 2017 einige große Neukunden wie den Hamburger Otto-Konzern, der zuvor bei CWT war. Um 1,8 Prozent wuchs die TUI mit ihrer Tochter First Business Travel.

Kein Wunder also, dass auch das Branchenbarometer des DRV den Business-Travel-Ketten für 2017 ein Umsatzplus von insgesamt 4% zuschreibt. 2017 haben sie Dienstreisen im Wert von 8 Mrd. Euro vermittelt: 5,8 Mrd. Euro entfallen dabei auf die großen Ketten, während die örtlichen Touristik-Reisebüros mit Firmendienst auf 2,1 Mrd. Euro kommen.

Aufkäufe und Partnerwechsel

Also alles in bester Ordnung und beim Alten? In beiden Fällen lautet die Antwort: nein. Beim Alten schon deshalb nicht, weil der Markt der Geschäftsreiseanbieter in den vergangenen zwölf Monaten kräftig durchgewürfelt wurde. Die größte Veränderung betrifft HRG: Konkurrent GBT schluckt seinen Wettbewerber für etwa 165 Mio. Euro. Die Aktionäre haben dem Kaufangebot bereits zugestimmt, so dass die Transaktion in den nächsten Wochen über die Bühne gehen dürfte. Die Übernahme passt zum Expansionskurs von GBT, die nach deutlichen Markteinbußen zur alten Größe zurückfinden will.

Der zweite große Wechsel betrifft das DER: Der größte in Deutschland beheimatete Geschäftsreiseanbieter hat sich von seinem Partner FCM getrennt und macht unter eigenem Namen weiter. Als DER Business Travel betreuen die Frankfurter nun ihre vornehmlich mittelständischen Kunden. Außerhalb seiner Kernmärkte setzt das DER auf eine Kooperation mit GBT. FCM versucht, sich in Deutschland auf eigene Beine zu stellen.

Trotzdem alles gut? Nein, auch das nicht. Denn anders als in der Touristik spielen die Reisebüros in der Geschäftsreise nicht die Hauptrolle. Mehr als 80% des Reiseumsatzes von insgesamt 54 Mrd. Euro fließen an den Agenturen und Call Centern vorbei, weil die deutschen Unternehmen entweder online oder direkt bei den Anbietern buchen. Am deutlichsten macht sich dies bei den Übernachtungen und bei der Bahn bemerkbar. So verkaufen die Reisebüros nur noch 3% aller beruflich genutzten Bahnfahrkarten. Und der Anteil bei den Hotelbuchungen liegt mittlerweile sogar nur noch bei 1,6% oder 300 Mio. Euro (von 15 Mrd. Euro). Geht es hingegen um Flüge, stehen sie mit 60% Anteil am Gesamtbuchungsumsatz oder 4,5 Mrd. Euro klar an der Spitze.

Doch auch in diesem Segment werden die Agenturen in den kommenden Monaten und Jahren zunehmend mit Problemen zu kämpfen haben: Die Fluggesellschaften – allen voran Lufthansa – locken die Firmenkunden in den Direktvertrieb (siehe auch S. 40). Auf diese Weise sparen die Airlines nicht nur Vertriebskosten, sondern können die für sie immer lukrativeren Zusatzleistungen einfacher vermarkten. Firmenkunden, die an den Reservierungssystemen vorbei buchen, erhalten daher teilweise attraktivere Preise.

Drohenden Nachteilen können die Ketten nur begegnen, wenn sie massiv in ihre Technik investieren: Mit attraktiven End-to-End- sowie Tür-zu-Tür-Lösungen, in die möglichst alle Verkehrsmittelanbieter und deren Tarife eingepflegt sind, könnten sie ihren Firmenkunden das Buchen erleichtern und ihnen damit beim Sparen helfen. Auch an der Integration von Käufen via NDC sowie an umfassenden Mobilitätsplattformen, über die ÖPNV, Taxi und Limousinen buchbar sind, geht in Zukunft kein Weg mehr vorbei.

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