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Reisebüro-Porträt (0)

Eine Schule für Ruanda

von Oliver Graue, 01.06.2018, 10:01

Das Derpart Westerwald Reisebüro engagiert sich für die Stiftung Fly & Help. In diesem Jahr eröffnet die DTS-Agentur ihre „eigene“ Schule in Afrika.

Sabine Krohmann und ihr Vater Gerhard.
Foto: Privat

Ein Kunde brachte die Aktion ins Rollen. Nach einer Veranstaltung im Derpart-Reisebüro Westerwald, bei der sich die Stiftung Fly & Help präsentiert hatte, kam der 70-Jährige auf die Reisebüro-Geschäftsführerin Sabine Krohmann zu. „Er sagte mir, dass er sich für die Stiftung engagieren und eine Schule bauen wolle“, erzählt Krohmann. „Und wir haben geantwortet, dass wir dabei sind.“ Die Reisestiftung Fly & Help hat bereits 200 Schulprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika umgesetzt.

Die ersten Beträge hat der Kunde bei einer Spendenwanderung von Bern nach Trier gesammelt – auf den Spuren der deutschen Fußballweltmeister von 1954. In Trier hatte WM-Held Horst Eckel studiert. Das Geld, das so zusammenkam, bildete den Grundstock.

Ruanda als Partnerland von Rheinland-Pfalz

Seither rufen Sabine Krohmann und ihr 24-köpfiges Team zu immer neuen Aktionen auf. So veranstaltete das Reisebüro in der Westerwald-Stadt Montabaur Tombolas, bei der es unter anderem von Fußballprofis handsignierte Bälle zu gewinnen gab. Zudem rief die Agentur zu einem Abend unter dem Motto „Abenteuer Afrika“ auf, verkaufte selbst gebackenen Kuchen und spendete zu Weihnachten selbst für die Schule, statt den Kunden Geschenke zu machen.

Foto: Privat

Dabei rückt das Ziel immer näher: Mit dem Geld finanziert die Agentur den Bau einer Schule in Ruanda. Das in den 90ern von Krieg und Völkermord geplagte ostafrikanische Land wurde bewusst ausgewählt: Es ist Partner des Bundeslands Rheinland-Pfalz, zu dem wiederum der Westerwald gehört. Eröffnet werden soll die Schule noch in diesem Jahr. Bis dahin werden Krohmann und ihr Team sich weiter engagieren. „Zur Fußball-WM 2018 planen wir ein Public Viewing“, sagt sie: „Dort wird es wieder Aktionen geben.“

Hilfe für lokale Vereine

Soziales und ökologisches Engagement ist für die Agentur – eine der 70 Geschäftsreisepartner von Derpart Travel Service (DTS) – nichts Neues. So pflegt Sabine Krohmanns Vater, der das Reisebüro einst in die Selbstständigkeit führte, seit Langem eine persönliche Patenschaft in Sri Lanka. Entstanden ist sie bei einer Reise in das Land.

Zudem unterstützt die Agentur lokale Vereine, fördert die Jugendarbeit und setzt nachhaltige Prinzipien auch intern um. Mehrwegflaschen, Stoffbeutel und die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs gehören ebenso dazu wie die Nachwuchsförderung. „Wir bieten Schulpraktika an, haben einen Umschüler in unser Team aufgenommen und ermöglichen unseren Mitarbeitern Weiterbildungen und die Teilnahme an Inforeisen“, erzählt Sabine Krohmann. Fürs körperliche Wohl sorgt ein mobiler Massagedienst.

Sonderzüge zu Messen

Das Reisebüro, in das ihr Vater vor 46 Jahren als Angestellter eintrat und das er zehn Jahre später übernahm, ist außer im Business Travel auch in der Touristik aktiv. Angefangen hatte man einst sogar als kommunaler Fremdenverkehrsverein des Westerwalds – das allerdings war bereits 1969. Im Firmendienst der Agentur sind zwölf Festangestellte und drei Auszubildende beschäftigt. Aufgebaut hatte man das Segment einst mit den vor Ort angesiedelten Mittelständlern.

„Als mein Vater die Büroleitung übernahm, sprach er von Anfang an die lokal ansässigen Unternehmen an“, erzählt Sabine Krohmann: „Er war zudem in Vereinen aktiv und hat auf die Stärkung des regionalen Wirtschaftsraums durch Zusammenarbeit aufmerksam gemacht.“

Durch Weiterempfehlung ist das Segment stetig gewachsen. Inzwischen sind die Kunden nicht nur weltweit aktiv – sondern auch rund um den Erdball beheimatet.

Anfangs hatte die Agentur sogar Sonderzüge zu wichtigen Messen gechartert. Und gemeinsam mit einer Fachzeitschrift wurden Leserreisen zu Messen für NC-gefertigte Werkzeugbaumaschinen organisiert. „Durch die persönlichen Kontakte haben wir damals ebenfalls viele Firmenkunden aus diesem Bereich kennengelernt, die uns teilweise bis heute die Treue halten und uns auch weiterempfehlen.“

Einsatz für Montabaur als ICE-Bahnhof

Sabine Krohmann ist seit 1994 dabei. Seit 2011 ist sie – neben ihrem Vater – auch Inhaberin. Als „größten Meilenstein“ bezeichnet sie den Umzug der Agentur vor fünf Jahren. Aus der Ortsmitte von Montabaur ging es in die Nähe des ICE-Bahnhofs. Für diesen hatte sich die Agentur einst besonders eingesetzt, als einige Kritiker forderten, für die 2002 in Betrieb genommene Schnellstrecke Köln–Frankfurt doch auf einen der beiden Bahnhöfe Montabaur oder Limburg-Süd zu verzichten: Die Distanz zwischen ihnen sei zu gering.

Doch das Reisebüro hatte die rheinland-pfälzische Landesregierung auf seiner Seite. Zum Glück: „Für uns im Westerwald ist der Halt extrem wichtig“, sagt Krohmann. Er garantiere Montabaur einen schnellen Anschluss sowohl an die Rhein- als auch an die Mainmetropole.

Im Privaturlaubsbereich verzeichnet Krohmann einen wachsenden Trend nach individuellen Reisen. „Immer mehr Kunden lassen sich die eigene Tour ausarbeiten“, erzählt sie. Nicht nur das erhöht den Arbeitsaufwand des Teams. Auch mit den vielen neuen gesetzlichen Regelungen von der Pauschalreise-Richtlinie bis zur EU-Datenschutz-Grundverordnung gilt es zurechtzukommen.

„Ich sehe es als eine meiner wichtigen Aufgaben, dafür zu sorgen, dass die Kollegen trotz aller Mehrarbeit die Lust an diesem tollen Beruf nicht verlieren“, sagt Krohmann, In Zeiten des Fachkräftemangels ist das nicht einfach.

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